Medien : Ein Zugereister

Der SR präsentiert seinen neuen „Tatort“-Kommissar

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Jochen Senf wollte einfach nicht aufhören. Das ist nur verständlich, denn der Job des saarländischen „Tatort“-Kommissars, den er 18 Jahre lang innehatte, ist einer der angenehmsten des Landes. Der winzige Saarländische Rundfunk darf nur eine „Tatort“-Folge pro Jahr drehen. Glück für den, der den Kommissar spielt. So bringt ihm die Rolle eine Grundpopularität und ein Grundeinkommen, lässt aber viel Freiraum für andere Projekte. Außerdem fiel Senf die fast alleinige Interpretationshoheit für das Wesen der Saarländer zu. Sie sind ja nicht viele, schon gar nicht im Fernsehen. Senf alias Kommissar Max Palu spielte den westdeutschen Stamm als frankophil und kauzig. Sein Baguette trug er so selbstverständlich durch die Saarbrücker Altstadt wie die US-Kollegen ihre Schnellfeuergewehre.

Seine ganze Kauzigkeit hat Senf noch einmal aufgeboten, um den SR zu zwingen, ihn zu behalten. Vergebens. Gestern präsentierte der Sender seinen Nachfolger im Hamburger Literaturhaus: Maximilian Brückner, 27. So ziemlich das Gegenteil von Senf. Während Senf als Typ unverkennbar ist, aber schauspielerisch nicht sehr differenziert, ist Brückner als Schauspieler grandios, sieht aber enorm unscheinbar aus. Es ist wirklich erstaunlich, dass jemand, der so blond und so blass ist, überhaupt Schauspieler wird. Doch in seiner wohl prominentesten Fernsehrolle, als schüchterner Student Thomas in Dieter Wedels „Mama & Papa“, war er wirklich beeindruckend.

Eigentlich ist Brückner im Ensemble des Münchner Volkstheaters. Er ist Bayer. Damit er nicht zum saarländischen Akzent-Coach muss, bedient sich die erste Folge, die am 15. Oktober ausgestrahlt wird und deren Dreharbeiten im Juni beginnen, eines Kunstgriffs. Brückner alias Franz Kappl wird aus Traunstein nach Saarbrücken versetzt, wo er nicht besonders begeistert empfangen wird, denn Stefan Deininger hatte sich ebenfalls für den Job beworben. Deininger, gespielt von Gregor Weber, war schon Palus Assistent, er bleibt. Auch Alice Hoffmann spielt weiter die Sekretärin Braun. Dafür gibt es einen neuen Drehbuchautor: den Grimme-Preisträger Fred Breinersdorfer. Jochen Senf durfte seine Drehbücher früher oft selbst schreiben. So einen guten Job würde keiner kampflos aufgeben. nol

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