Medien : "Ein Zwilling zu viel": Geld oder Liebe?

Iris Ockenfels

Es ist schon eine reichlich konstruierte Story, die sich Drehbuchautor Hans Schöne da für den NDR hat einfallen lassen. Trickbetrüger Franz, dargestellt von Thomas Heinze, sitzt im Knast. Dort erzählt ihm Zellengenosse Kurti (Stefan Hunstein) seine traurige Lebensgeschichte: Er wurde als Baby von seiner Zwillingsschwester getrennt und zur Adoption freigegeben. Während er auf die schiefe Bahn geriet, ist die Schwester inzwischen eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Sie ahnt jedoch nicht, dass sie einen Bruder hat. Das will Kurti ändern und sich nach der Haft bei ihr einquartieren. Aber Franz kommt dem redseligen Knastkollegen zuvor. Statt Kurti steht er nach seiner Entlassung vor der Villa der reichen Schwester und gibt sich als ihr Zwillingsbruder aus. Natürlich ist Franz bald entflammt für die allein erziehende Unternehmerin und muss sich zwischen Geld und Liebe entscheiden. Dass bei der Entwicklung der Komödie "Ein Zwilling zu viel" (20 Uhr 15, ARD) arg herum getüftelt worden ist, merkt man der Geschichte an. Und das wird im Film selbst gleich treffend kommentiert. Da stellt nämlich die Schwester beim ersten Auftritt des vermeintlichen Bruders skeptisch fest: "Das übersteigt irgendwie meine Vorstellungskraft".

Autor Hans Schöne ("Sekt oder Selters") und Regisseur Thomas Bohn ("Straight Shooter") hatten zunächst nur den Einfall, eine Liebeskomödie mit Zwillingen zu machen. "Es zeigte sich aber, dass es sehr schwierig ist, die richtige Story dafür zu finden", erinnert sich Schöne. Denn um Inzest, naturgemäß eine weniger komische Angelegenheit, sollte es nicht gehen. "Zum Glück kam uns die Idee mit dem Betrüger, der den Bruder vorgibt", so Schöne. Dann wurde noch flugs Thomas Heinze als liebenswerter Hochstapler gebucht. Seit seinem Durchbruch mit "Allein unter Frauen" vor zwölf Jahren scheint er ein Dauerabo auf die Rolle des charmanten Taugenichts zu haben. Nun also an der Seite von Nele Mueller-Stöfen, die die geschäftstüchtige Schwester mit Hightech-Büro am Hamburger Hafen spielt. Die trockene Hanseatin und der Profi-Charmeur Heinze geben zwar ein durchaus unterhaltsames Paar ab. Plausibler wird die Geschichte aber nicht.

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