Medien : Einer sieht schwarz

Die Wahl beim Personal: Stoiber hat andere Vorschläge als ZDF-Chef Schächter

Joachim Huber

Am Freitag wollen sie ihn gewählt haben, den neuen ZDF-Programmdirektor. Die Wahlmänner sind wie beim jüngst abgeblasenen Versuch dieselben: 14 Verwaltungsräte stimmen über den Vorschlag von Intendant Markus Schächter ab, bei einer Drei-Fünftel-Mehrheit ist er gebilligt. Der ZDF-Intendant spricht von „Ergebnis-Notwendigkeit“, wenn die Rede auf den Wahltermin am 8. November kommt. Sein Favorit für den Programmdirektor heißt nicht länger Hans Janke, er heißt jetzt Thomas Bellut. Janke soll der SPD näher stehen als anderen Parteien. Das ist für die Konservativen im Gremium ein wichtiger Punkt zur Verhinderung, und für das CSU-Verwaltungsratsmitglied Edmund Stoiber der entscheidende. Stoiber blockiert das Personalpaket von Intendant Schächter, obwohl es vom Senderchef heißt, er habe die Wortführer im Gremium, den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) und Thüringens Regierungschef Bernhard Vogel (CDU), auf seine Seite gebracht.

Was Schächter vorschlägt: Thomas Bellut, Chef der ZDF-Innenpolitik, soll neuer ZDF-Programmdirektor werden. Bellut gilt als konservativ. Damit die SPD-Seite diesem Vorschlag zur Drei-Fünftel-Mehrheit verhilft, soll die künftige Spitze der Innenpolitik „erröten“. Schächter kämpft und telefoniert.

Was Stoiber will? Eine „schwarze“ Linie: Innenpolitik-Chef Bellut als Programmdirektor und jede angeschlossene Nachfolge-Frage in derselben Farbe. Nun hat auch der bayerische Ministerpräsident nur eine Stimme im Verwaltungsrat, trotzdem wird die Union, wenn es zur Entscheidung kommt, nicht den Bayern im Regen stehen lassen, sondern Intendant Markus Schächter. Stoiber pocht auf die Verabredung zwischen Beck und Vogel kurz nach Schächters Wahl zum ZDF-Intendanten, wonach das konservative Lager den nächsten Programmdirektor bestimmen kann.

Eines scheint allen Kombattanten klar: Dauert die gegenseitige Blockade der Parteien-Vertreter an, dann wird der mühsam gewahrte Frieden aufgekündigt.

Und Hans Janke, der Fernsehspiel-Chef und stellvertretende Programmdirektor? Er kann wählen: zwischen der jetzigen Position, die mit dem Ausscheiden von Georg Alexander im kommenden Frühjahr um den Programmbereich Spielfilm aufgewertet werden soll. Hans Janke wäre somit der mächtige Mann für das fiktionale ZDF-Fernsehen. Dagegen steht das Angebot, als Fernsehdirektor zum Südwestrundfunk (SWR) zu wechseln. SWR-Intendant Peter Voß hat seine Offerte erneuert – und er hat Hans Janke eine Vision eröffnet: Er will mit aller Macht dafür Sorge tragen, dass der SWR-Fernsehdirektor Hans Janke später Günter Struve als ARD-Programmdirektor beerbt. Im ZDF hofft man, dass Hans Janke bleibt. Janke schweigt und wartet.

In das Personal-Paket, das Markus Schächter dem Verwaltungsrat am Freitag zur Abstimmung vorzulegen beabsichtigt, gehören auch zwei unstrittige Vorschläge. Susanne Müller, Koordinatorin Kinderkanal, wird die Hauptredaktion online übernehmen, New York-Korrespondent Udo van Kampen nach Brüssel wechseln. Um einen weiteren Posten gibt es wieder Streit: Claus Kleber, ARD-Korrespondent in London, soll Wolf von Lojewski als Leiter und Moderator des „heute-journals“ nachfolgen.

In all den Rochaden werden auch Positionen gehalten. Peter Hahne, Vizechef des ZDF-Hauptstadtstudios in Berlin, bleibt Unter den Linden. Dem Tagesspiegel sagte Hahne: „Ich bin gebeten worden, in meiner derzeitigen Funktion weiterzuarbeiten. Und das tue ich gerne.“ Hahne war von Ex-Intendant Dieter Stolte als eines „der prominentesten ZDF-Gesichter“ nach Berlin geschickt worden. Ihm werden sehr gute Kontakte zur Union wie zum Kanzleramt nachgesagt.

Wenn Stoiber wollte, wie er könnte, dann käme Hahne nach Mainz zum „heute-journal“ und Klaus-Peter Siegloch, Moderator und Redakteur der „heute“-Nachrichten, würde die Innenpolitik übernehmen.

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