EM-Übertragung : Ballacks Kracher, Merkels Küsse

Uefa nennt Kritik an EM-Übertragung "albern". Zur Ergänzung des Weltbildes sind ARD und ZDF mit eigenen Kameras im Stadion.

Joachim Huber,Kurt Sagatz

Es kann nicht die Begeisterung für das Spiel der Deutschen gewesen sein, dass das Interesse am Turnier keine Grenzen kennt. Mehr als 28 Millionen Menschen und damit drei von vier Fernsehzuschauern verfolgten in Deutschland am Montagabend die Partie gegen Österreich, die Michael Ballack für die deutsche Elf gewann. An Bildern auf dem ARD-Schirm vom Kunststoß kein Mangel. Vielleicht ist es die Freude über Weiterkommen oder Ausscheiden, die über die Zufriedenheit mit der Übertragung entscheidet. Vor allem aus der Schweiz gab es zuletzt massive Kritik am sogenannten Weltbild der Uefa. SRG-Chef Armin Walpen warf dem europäischen Fußballverband sogar Zensur vor, auch das österreichische Fernsehen beklagte sich, Fan-Auseinandersetzungen und ein sogenannter Flitzer seien beim Spiel Österreich gegen Kroatien nicht gezeigt worden.

„Wir wollen Störenfrieden keine Plattform bieten“, reagierte die Uefa zuerst. Die Kritik entbehre jeglicher Grundlage, erklärte später Uefa-Sprecher William Gaillard. Das seien „Albernheiten“. Am Dienstag wurde nachgelegt. „Die Uefa diktiert keinem Fernsehsender redaktionelle Inhalte, sondern erlaubt den TV-Partnern im Gegenteil sogar jede erdenkliche Möglichkeit einer hochklassigen Produktion nach den eigenen Bedürfnissen“, teilte der Verband mit. Die TV-Sender seien selbst dafür verantwortlich gewesen, was ihre Zuschauer gesehen hätten und was nicht. „Vielleicht sollten die Sender zunächst mit ihren Regisseuren sprechen, bevor sie mit uns sprechen.“ Die Uefa-Tochterfirma Umet produziert in allen acht Stadien das Weltbild. Zugleich sind zahlreiche nationale Fernsehsender wie ARD und ZDF mit bis zu 40 nicht gebundenen Kameras im Einsatz. „Wir sind bei unseren Übertragungen mit drei Teams im Stadion“, sagte ZDF-Sprecher Volker Hagedorn, zum Beispiel für die Trainerbänke, die Tribüne, einen bestimmten Spieler. Was die ZDF-Kameras einfingen, sei von der Uefa keineswegs vorgegeben. Der Verband sei nur daran interessiert, dass das „Relevante vom Spiel selbst im Bild ist, aber daran sind wir ja auch interessiert.“ Was der Zuschauer von den Umet- wie den ZDF-Bildern sieht, entscheidet der Regisseur des Mainzer Senders. Auch, dass Spieler-Interviews oder das Gespräch mit Bundeskanzlerin Merkel nach dem Österreich-Spiel stets vor einer Sponsorenwand stattfinden, folgt der weltweiten Übung, dass derartige Aktionen in der ausgewiesenen Mixed Zone geführt werden müssen – siehe Bundesliga.

Das Erste war am Montagabend mit mehreren eigenen Teams im Ernst-Happel-Stadion unterwegs. Insgesamt drei „unilaterale“ Kameras fingen für die ARD die Bilder von Kanzlerin Merkel und den mit angereisten Ministern Franz Josef Jung (Verteidigung) und Frank-Walter Steinmeier (Äußeres) ein. Dass die Sender selbstständig entscheiden, welche Bilder sie verwenden, hatte die ARD aber bereits zuvor bei der Begegnung Deutschland-Kroatien gezeigt. Auch dort brannte im Fanblock der Kroaten ein bengalisches Feuer, das in der ARD-Übertragung für einige Sekunden zu sehen war. Um die Europameisterschaft aus der speziell deutschen Sicht zeigen zu können, hat die ARD eine ganze Armada aus Uefa-unabhängigen Kameras dabei. Insgesamt führt der Sender nach eigenen Angaben 56 „unilaterale“ Kameras sowie drei Teleskopkameras mit. So ist sichergestellt, dass jeder deutsche TV-Zuschauer die Freudenküsse von Angela Merkel und DFB-Präsident Theo Zwanziger sieht.

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