Enzyklopädie : Totgesagte leben länger

Offenbar gibt es doch noch eine neue Druckversion des Brockhaus. Entscheiden wird sich das allerdings erst 2009.

Bart Funnekotter
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Geballtes Wissen. Die Enzyklopädie steht bereits teilweise im Netz. -Foto: dpa

Kaum sind die Abgesänge auf den gedruckten Brockhaus verklungen, gibt es Signale, dass die Enzyklopädie auch weiterhin in Buchform weiterleben wird. Es ist „wahrscheinlicher geworden, aber die Entscheidung wird erst in einem oder anderthalb Jahren getroffen“, sagt Klaus Holoch, Sprecher des Mannheimer Bibliographischen Institut & F.A. Brockhaus. Im Februar hatte der Brockhaus-Verlag mitgeteilt, dass die komplette Brockhaus Enzyklopädie vom 15. April an kostenlos ins Internet gestellt werden würde. Eine 22. gedruckte Auflage des 30-bändigen Standardwerkes sollte es nicht mehr geben. Jetzt wird diese Entscheidung neu abgewägt. Der Starttermin des Online-Portals sei auf unbestimmte Zeit verschoben.

Die Aufregung in der Presse über das Ende der gedruckten Version hat Brockhaus zum Vorteil gereicht. Noch im Januar seien die Verkäufe bei fast Null gewesen, doch im Februar und März schnellte die Nachfrage nach der aktuellen Auflage drastisch nach oben. War die Ankündigung des Todes der gedruckten Enzyklopädie also nur ein Marketingschachzug? „Bestimmt nicht“, sagt Holoch. Er hätte sich den Ärger gerne erspart. „Wir haben das im Februar nicht richtig gut erklärt. Es heißt nicht entweder Druck oder Online. Brockhaus macht beides. Wir veröffentlichen Bücher, und im Internet fügen wir Multimedia und Updates hinzu.“ Kunden, die die gedruckte Enzyklopädie kaufen, erhalten ein Kennwort für das Portal. Wenn es zum Beispiel in den USA einen neuen Präsidenten gebe, dann könnten sie sich dort einloggen und sich aktuell informieren.

Das Internet war der Nagel am Sarg vieler traditioneller Enzyklopädie. Auch die berühmte „Encyclopædia Britannica“ hat ums Überleben kämpfen müssen. „Es ist schön, wenn Leute sagen, dass sie uns mögen. Und das es schlimm wäre, wenn die gedruckte Enzyklopädie verschwände“, sagt Holoch. „Aber wenn sie die Bücher nicht mehr kaufen, dann rentiert sich das nicht für uns. Wir müssen Geld verdienen. Wenn das nicht mehr nur mit Büchern gelingt, dann müssen wir das auf eine andere Weise versuchen.“

Weil die 21. Auflage der Enzyklopädie erst zur Buchmesse 2006 abgeschlossen worden ist, sei sie noch ganz aktuell, sagt Holoch. Deswegen müsse Brockhaus über die gedruckte Zukunft jetzt noch nicht entscheiden. Welche Inhalte später im neuen Portal zu lesen sein werden, wenn nicht die komplette Enzyklopädie ins Netz gestellt wird, möchte Holch noch nicht sagen. „Wir zeigen das Baby erst nach der Geburt.“ Fest stehe aber, dass den Internet-Nutzern ein werbefinanziertes Online-Portal zur Verfügung gestellt wird.

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