Medien : Es gibt ein Leben nach Lolle

Trotz Emmy läuft „Berlin, Berlin“ im Sommer aus. Die ARD plant schon eine Nachfolge-Serie: „Liebe, Liebe“

Barbara Nolte

Felicitas Woll lag in ihrer möblierten Berliner Wohnung im Bett, als „Berlin, Berlin“, die Serie, in der sie die Hauptrolle spielt, in New York den Emmy gewann. Bernhard Gleim, der Verantwortliche von der ARD, Holger Ellermann vom Studio Hamburg und der Autor der Serie, David Safier, nahmen die Trophäe Montagnacht in New York in Empfang.

Der Emmy ist der Oscar der Fernsehbranche, deutsche Gewinner sind sehr selten. Wolfgang Petersens „Boot“ hat ihn einmal gewonnen, Heinrich Breloer mit „Den Manns“ und im vergangenen Jahr die WDR-Produktion „Mein Vater“, in der Götz George einen Alzheimer-Kranken spielte. Mit „Berlin, Berlin“ erhielt erstmals eine deutsche Serie einen Emmy. Trotzdem wird es nur noch eine Staffel der Serie geben, die im Vorabend-Programm der ARD läuft. Felicitas Woll will Kino machen. Und die Serie ohne sie fortzuführen, wäre zu „riskant“, glaubt Bernhard Gleim. Wenn Gleim, Ellermann und Safier also nicht gerade den Emmy abholen, arbeiten sie bereits an einem Nachfolgeformat. Arbeitstitel: „Liebe, Liebe“.

In der zweiten Jahreshälfte 2005 sollen die Dreharbeiten beginnen, sagt ein weiterer Daheimgebliebener, der Studio-Hamburg-Geschäftsführer Sytze van der Laan. Im Frühjahr 2006 soll das Nachfolgeformat dann in der ARD auf Sendung gehen. Es soll wieder eine Großstadt-Serie werden, wieder eine Komödie. Als Drehort steht außer Berlin auch noch Hamburg zur Debatte. Dass „Liebe, Liebe“ der wahre Nachfolger von „Berlin, Berlin“ wird, soll Autor David Safier garantieren. Safier schrieb 60 der insgesamt 86 „Berlin, Berlin“-Folgen. Zu den 26 anderen hatte er die Idee und besorgte den Feinschliff. Safier soll auch bei „Liebe, Liebe“ im Großeinsatz sein.

Angefangen zu schreiben hat er noch nicht. Erst vergangenen Donnerstag habe er die letzte „Berlin, Berlin“-Folge abgegeben, sagt er. Danach ging es erstmal nach New York. Nach der Preisverleihung tanzte er mit den Kollegen noch ein bisschen auf der After-Show-Party, dann gingen sie auf einen Drink in eine Bar. Zwei Stunden später weckten sie die ersten Interviewanrufe mit den bohrenden Fragen: Was passiert nach „Berlin, Berlin“? Viel will Safier am Tag nach dem großen Triumph noch nicht zum Nachfolgeprojekt sagen. Nur dass diesmal zwei Charaktere im Mittelpunkt stehen werden: eine Frau und ein Mann. Und dass die Hauptdarsteller etwas älter sein sollen: um die Dreißig. Die ARD wollte das so. Außerdem fallen die Comic-Elemente raus. Safier plädiert für Berlin als Schauplatz. „Die Geschichten brauchen den Druck, den die Stadt Berlin auf die Menschen ausübt“, sagt er.

Und vielleicht spielen sogar einige Figuren aus „Berlin, Berlin“ mit. In Amerika heißt so etwas Spinoff: wenn eine neue Serie um die Figur einer auslaufenden Serie gestrickt wird. „Manche Schauspieler haben ein großes komisches Talent“, sagt Safier. Matthias Klimsa zum Beispiel, der den Hart spielt. „Über Klimsas Auftritte haben sie auch bei der Vorführung in New York am meisten gelacht.“

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