Medien : Es lebe die Reichweite

Viva will richtiges Fernsehen machen. Elton und RTL helfen dabei

Andreas Kötter

Dieter Gorny hat sich viel vorgenommen. Helfen sollen ihm dabei Rüpel wie die Cartoon-Figuren von „South Park“ oder der Stefan Raab-Praktikant „Elton“. Gorny ist Chef des börsennotierten Musiksenders Viva. Er verkündete am Mittwoch in Köln die Programmoffensive des Senders, die er als „die größte in der zehnjährigen Geschichte des deutschen Musiksenders Nr.1“ bezeichnete. Ohne Streuverluste hinnehmen zu müssen, wolle man nun endlich mehr an Breite gewinnen, „Reichweite aufbauen“, so der Manager.

Dabei setzt Viva auf Kooperationspartner, wie zuletzt schon den Axel Spriner Verlag, in dessen „Bild am Sonntag“ die Beilage „VivaBamS“ erscheint. Noch entscheidender für die Ziele des Senders dürfte nun die Kooperation mit RTL sein. Eine Kooperation, bei der der gewichtige Manager ins Schwärmen gerät. Schon mit der Nachbereitung des RTL-Erfolgsformates „Deutschland sucht den Superstar“ habe man jeden Montag „enorme Quotenausbrüche“ erzielen können, weiß er zu berichten, und davon, „dass wir selbst überrascht waren von den bis zu zweistelligen Quoten in unserer Zielgruppe“. Mit Hilfe des Kölner Marktführers will man nun auch dem Medienpreis „Comet“ mehr Bedeutung einräumen. So wird das Event in diesem Jahr in der Kölnarena von der neuen Viva-Tocher Viva Media Enterprises produziert und auf einem „prominenten Sendeplatz“ bei RTL ausgestrahlt. So verspricht sich Gorny „eine größere Grundreichweite um unsere Viva-Inhalte zu kommunizieren“. RTL bekommt im Gegenzug die Rohdiamanten von Viva: „Die Stars, die wir bei Viva machen, vor der Kamera, aber auch musikalisch, die dienen anderen Wirtschaftszweigen dazu, Wertschöpfung zu betreiben“, verspricht er und erinnert an Stefan Raab, der einst bei Viva seine Fernsehlaufbahn begann. Als weiteres Beispiel nennt Gorny Oliver Pocher („Alles Pocher, oder was?“), den man übrigens bald am Abend wieder bei Viva sehen kann. Denn am Abend muss Gorny den Hebel ansetzen. „Wir haben unsere Spitzenwerte in der Zeit, wenn die Zielgruppe aus der Schule kommt, also am Nachmittag zwischen 15 und 18 Uhr“. Am Abend schwächele man naturgemäß wegen des „richtigen Fernsehens“.

Also wollen sie nun bei Viva auch „richtiges Fernsehen“ machen. Gleich sieben neue Formate starten in den nächsten Wochen, darunter Best Of-Specials von „elton.TV“ und „Alles Pocher, oder was?“. Die britische „Da Ali G Show“ mit einem unablässig plapperndem Möchtergern-Gangsta-Rapper, japanische Anime-Serien („CFG -Candidate for Goddess“, „Angel Sanctuary“), die von RTL bekannte Cartoon-Serie „South Park“ und die deutsche Erstausstrahlung der Puppen-Comedy „Crank Yankers“. Besonders stolz scheint Viva auf „Fleischmann TV“ zu sein, „die erste Cartoon-Call-In-Show der Welt, live“. Wer schon immer mal mit einem grobschlächtigen, ins Sofa pupsenden Cyber-Proleten parlieren wollte, dem gibt Viva nun exklusiv die Chance.

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