Medien : Es lebe die Reklame!

Reinhard Siemes

Wie haben wir uns beölt, als Werbung noch finsterste Reklame war. Mit dem schlechten Wäschegewissen, den Kacheln, die Frau Schlingensiepen als Spiegel benutzen konnte, mit Frau Sommer und dem Schwiegemutterkaffee, Clementine und ihrem Persil, mit Kragenschmutz, Krustensprenger und all den anderen Ausflügen in die Unsäglichkeiten der deutschen Sprache, etwa hüpfgesund und springlebendig. Das, sollte man meinen, liegt im Horrorarchiv der deutschen Werbemuseums in Frankfurt. Tut es aber nicht.

Die größte Lachnummer liefert zurzeit Ariel. Dank seiner unvergleichlichen Waschkraft wirkt es besonders gut gegen Kirschflecken. Und zwar so: Sie gehen ins KaDeWe wo es im Dezember tatsächlich Kirschen zu kaufen gibt, erwerben für schlappe 10-12 Euro ein Kilo und sauen damit ein weißes Hemd oder Handtuch ein. Ariel in die Waschmaschine, das Hemd dazu – und Sie haben für 12 Euro den Beweis erbracht, dass die Waschkörnchen auch gegen Kirschen aus Südafrika wirksam sind.

Wundersam ist auch die Wirkung von Pril, sofern man es in Berghütten anwendet. Gerade dort hasst der Normalbürger den Abwasch wie Luzifer wie das Weihwasser. Es sei denn, in der beengten Hüttenküche steht Pril neben der Spüle. Dann kommt er ein fröhlicher junger Mann, dem Frauen, Männer, Gemsen und die Natur völlig gleichgültig sind. Sein sehnlichster Wunsch ist, die verkrusteten Teller mit Pril sauber zu spülen.

Hinterher gibt es zur Belohnung keinen Obstler. Sondern ein Gläschen Wasser mit dem berühmten Mundwasser Odol. Die Odols-Spots zeigen regelmäßig eine Querschnittzeichnung, wie sie auf den Rück-Etiketten der Klo-Reiniger zu sehen ist. Nur führt der Abfluss nicht ins Abwasserrohr. Sondern in den Hals. Odol kommt überall hin, schwemmt böse Bakterien weg und wirkt gegen Mundgeruch. Wahrscheinlich kann man auch die Mikrowelle damit frisch machen, wenn sie ein bisschen nach altem Grünkohlgemüse riecht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben