Medien : Es waren einmal zwei Erzrivalen

Arena und Premiere kooperieren: Jetzt kann jeder Kabelkunde in Deutschland ein Bundesliga-Paket bestellen

Simon Feldmer

Es war die Woche der Entscheidung. In den letzten Monaten hatten sich die beiden Pay-TV-Konkurrenten, der Neuling Arena und der bisherige Marktführer Premiere, einen intensiven Schlagabtausch um die Live-Übertragungen der Fußball-Bundesliga geliefert. Jetzt retten sich Arena und Premiere gegenseitig aus der Patsche. Dafür spielen sie zum Start der neuen Saison am 11. August einen überraschenden Doppelpass.

Am Donnerstagmorgen verbreiteten Arena und Premiere eine gemeinsame Erklärung, die es in sich hatte: Demnach wird der bisherige Stadionsender Premiere das Programm des einst als „Newcomer“ belächelten Konkurrenten Arena zukünftig im Kabel vermarkten. Das heißt im Klartext: Im gesamten Bundesgebiet können Kabelfernseh-Kunden nun die Bundesliga entweder über Arena und deren Netze oder über Premiere und Kabel Deutschland (KDG) empfangen – und das mit 14,90 Euro im Monat sogar preiswerter als zuvor.

Kabel Deutschland hatte sich bis zuletzt gegen einen Vertrag mit Arena zur Einspeisung des Sportprogramms gesperrt. Premiere strahlt das Arena-Programm ohne eigene redaktionelle Eingriffe aus und übernimmt zudem den Angebotspreis vom Konkurrenten. Auch die leidige Decoderfrage ist geklärt: Im Kabel können Premiere-Kunden ihre Decoder behalten. Neuinteressenten erhalten Decoder samt Smartcard direkt von Premiere oder ihrem entsprechenden Kabelanbieter.

Und Premiere und Arena wollen über das Fußball-Angebot hinaus zusammenspielen. Ein ganz neues Pay-TV-Duopol ist im Anmarsch. Im Gegenzug für die Einspeisung auf der Premiere-Plattform wird Arena Sender-Pakete des Konkurrenten – also das Spielfilm-, Doku- oder Erotik-Rahmenprogramm – in den Kabelnetzen seiner Muttergesellschaft Unity Media vermarkten. Zu Unity Media gehören die Kabelbetreiber ish in Nordrhein-Westfalen und iesy in Hessen. „In allen Kabelnetzen wird es künftig zusätzlich zu den Einzelangeboten von Arena und Premiere attraktive Kombinationsangebote geben“, ließen die beiden Pay-TV-Anbieter verlauten. Entsprechende Preise und Angebote werden ausgearbeitet.

Durch den auch für Brancheninsider überraschenden Deal hat der neue Bundesligasender Arena somit doch noch geschafft, was in den letzten Tagen immer unwahrscheinlicher wurde: eine flächendeckende Versorgung Fußball-Deutschlands zum Saisonstart. Wenn auch für einen hohen Preis. Denn der Herausforderer tut nun das, was Arena-Geschäftsführer Dejan Jocic in den vergangenen Monaten immer kategorisch ausgeschlossen hatte: Er bringt Premiere-Chef Georg Kofler wieder zurück ins Spiel. Im vergangenen Dezember hatte der Pay-TV-Sender Premiere seine Übertragungsrechte an Arena verloren. Premiere-Boss Kofler, noch wenige Monate davor durch einen spektakulären Börsengang der große Medienstar, stand plötzlich mit dem Rücken an der Wand.

Kofler kämpfte seitdem einen fast verzweifelten Kampf. Der Medienmanager, dem das Image des Sunnyboys abhanden zu kommen schien, knüpfte eine Allianz mit der Deutschen Telekom und versprach mit Live-Übertragungen der Bundesliga im Internetfernsehen das „Fernsehen der Zukunft“. Doch aus den großen Plänen wurde allenfalls eine Mini-Lösung. Bis Mittwoch dieser Woche sah es so aus, dass nur ein ganz kleiner Teil der derzeit 3,5 Millionen Premiere-Abonnenten weiterhin die Bundesliga empfangen könnten. Ein drastischer Abo-Schwund wäre wohl die Folge gewesen.

Doch auch dem Neuling Arena drohte bis Mitte der Woche noch das Chaos. Zwar war die Übertragung per Satellit in ganz Deutschland gesichert. Doch vier Wochen vor Anpfiff hakte es immer noch entscheidend im Verbreitungsweg Kabel. Bis Mitte dieser Woche war der Empfang nur in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gesichert. Arena erreichte nach eigenen Angaben damit 25 von rund 36 Millionen Kabelhaushalten. Eine Einigung mit der KDG wurde zuletzt immer unwahrscheinlicher. Der Kabelkonzern blockte. KDG- Kunden hätten auf Satellit umsteigen müssen, um Arena zu empfangen. Zwar erfüllte Arena die von der DFL geforderte Marktabdeckung von 40 Prozent locker. Trotzdem regte sich Unmut in der Liga. Zahlreiche Sponsoren der Clubs wurden nervös.

Wer ist nun der Gewinner in der neuen Partnerschaft? Zwar aus allseits größter Not geboren, macht er für alle Beteiligten Sinn. Besonders für Georg Kofler. Ohne die Liga hätte er sich auf mittlere Sicht im Pay-TV-Markt aus dem Spiel genommen. Jetzt ist Kofler wieder im Aufwind. Zumal Premiere gestern meldete, dass der Sender für die kommenden drei Jahre Rechte an 13 Uefa-Cup-Partien gekauft an: für alle Viertelfinal-, Halbfinalspiele sowie fürs Endspiel.

Der ausgespielte Kabelbetreiber KDG will die Kooperation von Premiere und Arena hinnehmen und gab sich am Donnerstag fast schon kleinlaut. Man habe nie erwartet, dass mit Fußball-Übertragungen viel Geld zu verdienen wäre, sagte ein Sprecher. Eine dicke Kröte muss aber vor allem Arena schlucken. Geschäftsführer Jocic kommentierte gestern zwar generös: „Wir halten unser Versprechen, den Sender Arena und die Fußball-Bundesliga allen Fans über Kabel und Satellit zur Verfügung zu stellen.“ Dass er dafür seinem Widersacher Kofler die Hand schütteln muss, hätte er bis vor kurzem sicher nicht gedacht.

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