„Euro-Pocher“ : Hauptsache jung

Die ARD nimmt Mehmet Scholl und Oliver Pocher mit zur Fußball-EM. Mit der Europameisterschaft ist zudem eine lange Kommentatoren-Karriere unterbrochen, wenn nicht sogar beendet.

Joachim Huber
Pocher
Oliver Pocher. Mal ohne seinen Schmidt -Foto: dpa

Noch am Mittwoch hatte ARD-Programmdirektor Günter Struve darüber räsoniert, wie das Erste Deutsche Fernsehen endlich die angebetete Jugend vor den Bildschirm locken könnte. „Mehr Sport“, war sein Ratschluss. Und dann der Doppelknaller am Freitag: Mehr junge ARD-Mitarbeiter bei der Fußball-Europameisterschaft, dem Fernsehjungmännersport Nummer eins. Die Verjüngung wenigstens der ARD-Truppe erfolgt über die Engagements von Ex-Nationalspieler Mehmet Scholl (37) und Comedian Oliver Pocher (30). Sie komplettieren während des Turniers vom 7. bis 29. Juni in der Schweiz und Österreich das bewährte TV-Moderatorenteam mit Monica Lierhaus, Gerhard Delling, Günter Netzer, Reinhold Beckmann und Waldemar Hartmann. „Sport bringt uns junge Zuschauer“, war sich ARD- Programmdirektor Struve am Freitag bei der EM-Präsentation in Hamburg sicher.

Der bekennende Hannover-96-Fan Pocher, der seit Oktober 2007 mit Harald Schmidt die Late Night Show „Schmidt & Pocher“ im Ersten präsentiert, spielte den Ball sofort zurück. „Vielen Dank, Struve hat mich bekniet, das zu machen“, sagte der Entertainer, der bei der EM „persönliche Geschichten“ in drei bis fünf Minuten erzählen soll. „Ich bin akkreditiert, habe eine Kamera und viel Zeit. Das ist eine tödliche Kombination“, kündigte „Euro-Pocher“ entsprechenden Buntkram an.

Außerdem soll Oliver Pocher in „Waldis EM-Club“ auftreten. Der Fußballstammtisch mit Waldemar Hartmann wird während des Turniers neun Mal aus einem Wiener Hotel gesendet. Wo bleibt Harald Schmidt, der sonst mit „Waldi“ Hartmann fachsimpelt? Nach der ARD-Planung soll Schmidt zusammen mit dem notorischen Duzer Hartmann bei den Olympischen Sommerspielen in Peking den lustigen Hannes machen. Vorausgesetzt, die Chinesen geben „Waldi & Harry“ ein Visum.

Vor Olympia kommt die Fußball-EM, und vor dem Naschwerk mit „Euro-Pocher“ die Hauptspeise. „Hart am Ball“ lautet das Konzept der ARD, die 15 EM-Spiele live im Fernsehen zeigt. Die anderen 16 Partien überträgt das ZDF. „Wir sind dicht bei den Fans und bei jedem Spiel im Stadion präsent“, skizzierte ARD-Teamchef Volker Kottkamp die Planungen. Das neue Duo Beckmann/Scholl ist bei den 18-Uhr-Spielen im Stadio- und Experteneinsatz, die Kombination Delling/Netzer analysiert zum zehnjährigen Dienstjubiläum die Partien um 20 Uhr 45. Manchen wird es freuen, andere Trauer tragen lassen: Mit der Fußball-EM ist die Kommentatoren-Karriere von Reinhold Beckmann unterbrochen, wenn nicht beendet. Kontinuität zeigt Monica Lierhaus. Sie stellt sich mit dem Mikrofon wieder ins DFBQuartier, diesmal am Lago Maggiore.

Zu den laut ARD-Werbung „Glorreichen Sieben“ kommen noch die Live-Reporter Steffen Simon und Tom Bartels. Der 42 Jahre alte Bartels kommentiert am 29. Juni das Endspiel aus Wien. Alle 31 Spiele des Wettbewerbs werden im Radio übertragen und erstmals live auch im Internetfernsehen. Zum ARD-Team gehören insgesamt 225 Mitarbeiter, davon 63 für den Hörfunk.

ARD und ZDF sollen rund 115 Millionen Euro für die EM-Rechte bezahlt haben. Das entspricht einem Durchschnittspreis von 4,25 Millionen Euro pro Partie. Die Fernseh-Verantwortlichen hoffen deshalb auf gute Quoten und auf den Einzug des DFB-Teams in das Finale. „Unsere Mannschaft hat sich unter Bundestrainer Löw systematisch entwickelt. Sie zählt zu den Favoriten, ist aber nicht mein Top-Favorit“, sagte Ex-Nationalspieler Netzer. Er legte sich auf Weltmeister Italien als Europameister fest: „Da stimmt die Mischung aus Arbeitern und hervorragenden Spielern.“

ARD-Programmdirektor Günter Struve nutzte die Pressekonferenz, um erneut die Berichterstattung des Ersten während der Sommerspiele in Peking zu betonen. „Ein Olympia-Boykott ist für uns kein Thema. Das steht nicht zur Debatte“, sagte er. Er verwies auf die umfangreiche China-Berichterstattung im Fernsehen in den vergangenen Wochen. „Wir haben noch nie so viel berichtet. Das Thema China wird sich noch verstärken, auch in der politischen Redaktion“, ergänzte Struve.

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