Medien : Eva Herman: Eine Frau will nach oben

Katja Hübner

Mit den Männern hat Eva Herman ihre Schwierigkeiten. Zumindest in den Medien. Dort schreiben die Leute "Gute Frau, böse Männer", "Nie wieder heiraten" und "Die Männer haben sie zerstört". Eva Herman kann da nur mit dem Kopf schütteln. Zum einen, weil sie findet, dass genügend Frauen es mindestens auf genau so viele Männer bringen - "sie waren bloß nicht mit ihnen verheiratet". Und zum anderen, weil es ihr gut geht: "Ich genieße die Zeit, allein zu sein. Ich fühle mich freier". Richtig glauben kann man das nicht. Als sich der letzte Mann und Vater des gemeinsamen Sohnes von ihr trennte, nahm sie eine Auszeit bei der "Tagesschau" und machte eine Therapie. In diese Zeit fällt auch ihr erstes Buch: "Dann kamst du".

Der Roman ist am 16. Februar erschienen und erzählt von einer Fernsehmoderatorin, die nach zehn Jahren von ihrem Mann verlassen wird, in eine tiefe Krise stürzt und sich erst langsam wieder erholt. Ein autobiografisch gefärbter Roman also, geschrieben von einer Frau, die sich selbst nicht so wichtig nimmt und der es deshalb gelingt, Verlegenheit gar nicht erst aufkommen zu lassen. Freude, Erniedrigung und Verlassenheit - Eva Herman ist es zu anstrengend, immer daran zu denken, was man über sie denken könnte und sagt einfach alles so, wie es ist. Stimmt das? Vielleicht könnte man es so ausdrücken: Eva Herman teilt sich sehr gern mit und erzählt die Fakten lieber, bevor es andere tun. So bleibt sie unverletzbar.

Zum Beispiel erzählt sie, dass sie "unter dem Abgesang schmutziger Lieder" die Schule verlassen musste und deshalb kein Abitur hat. Oder dass sie nie studiert hat. Sie gibt zu, sich für Autos zu interessieren und am Geräusch des Motors zu erkennen, ob es sich um einen Alfa, einen Opel oder einen VW handelt, "nur bei den Japanern habe ich noch Schwierigkeiten". Mitunter geht Eva Herman in ihrer Selbstironie so weit, dass sie, wenn sie mit ihrem Ex-Mann telefoniert, den Hörer auf die Gabel legt und sagt "Das war der Gatte, den ich hatte". Dabei lacht die blonde Moderatorin - manchmal wirkt Eva Herman so, als spiele sie eine Rolle.

Nun kann es sein, dass das ostfriesische Emden einfach ein humorvolles Städtchen ist - hier wurde Eva Herman 1958 geboren. Möglicherweise hat sie aber auch früh gemerkt, dass man die Grenzen, die es gibt, nur brechen kann, wenn man alles auf eine Karte setzt. Aufgewachsen ist sie im Harz, wo sie noch in der Pubertät am liebsten Eulen beobachtete, während im nächsten Dorf, zehn Kilometer weiter, die Freunde in die Disco gingen. "Ich kam nie auf die Parties, weil mich keiner herunterfuhr und wieder zurück brachte." Stattdessen tat sie abends, wenn die Füchse um das Haus strolchten, was man so tut, um die Zeit tot zu schlagen. Sie half, das Hotel der Eltern in Ordnung zu halten, spielte mit ihrer Schwester Theater oder nahm die Charts auf Kassette auf. Ein, wie sie sagt, eher tristes Dasein.

In diesen Momenten muss es gewesen sein, als sie ihre Pläne für die Zukunft schmiedete. Schillerbunt sollte sie aussehen: Großstadt, Fernsehen, berühmt sein - schon damals schien Eva Herman zu wissen, dass sie sich dort am besten aufgehoben fühlt, wo sie im Mittelpunkt steht. Es war Anfang der achtziger Jahre, nachdem sie auf Wunsch der Familie eine Ausbildung im Hotelfach beendet und einige Zeit in den Kneipen von München gejobbt hatte, als sie beschloss: Ganz oder gar nicht. Sie rief beim Bayerischen Rundfunk an und teilte mit: "Ich will bei ihnen moderieren". Ohne Studium. Ohne journalistische Vorkenntnisse. Ohne Sprechausbildung. Aber mit einer guten Portion Hartnäckigkeit. Sie hatte Glück. Nachdem sie zu einem Gespräch mit dem damaligen Chefsprecher vom Bayerischen Rundfunk eingeladen wurde, hatte der sie vertröstet. Sie solle doch in einem Jahr wieder kommen. Und in der Zeit ihre Sprache schulen. Eva Herman konterte: "Wenn ich eine Sprechausbildung machen soll, dann bei dem besten Sprecher, den es gibt. Und das sind Sie." In diesem Augenblick war dem Bayerischen Rundfunk wohl klar: Diese Frau kann nicht nur reden, sondern auch provozieren. So etwas soll ja im Showgeschäft ganz nützlich sein.

Der Einstieg in die berufliche Laufbahn war geschafft: Eva Herman machte eine journalistische Ausbildung, nahm Sprechunterricht und bekam mit der "Stadtrundschau" ihre erste Sendung. Sie moderierte Shows, ist seit 1988 Sprecherin der Tagesschau, hat eine Schallplatte für Dagmar Berghoff produziert, führt seit 1997 durch die Talkshow "Herman & Tietjen" und ist jetzt Autorin eines Buches.

Was kommt als nächstes? Nichts, sagt Eva Herman, "ich habe doch alles schon geschafft." Dann klingelt wieder ihr Lachen, und man ahnt, dass da noch vieles kommt.

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