Medien : Ex-Juso trifft CSU-Haudegen

Herr Lölhöffel[als Vertreter des Berlin]

Herr Lölhöffel, als Vertreter des Berliner Senats haben Sie bei der missglückten Wahl eines künftigen ZDF-Intendanten zwei Mal für Dagmar Reim gestimmt. Die Chefin des NDR-Landesfunkhauses Hamburg war Kandidatin des SPD-Freundeskreises im Fernsehrat. Das sieht nach blinder Gefolgschaft aus.

Da kennen Sie mich schlecht. Wenn ich jemandem folge, dann sehend. Ich habe für Frau Reim gestimmt, weil sie bei der Vorstellung im Fernsehrat auf mich überzeugender wirkte als Herr Reitze. Sie hat das Zeug zur Intendantin. Mit einem Wortspiel gesagt: Meine Favoritin hat große Reize, auf den anderen Kandidaten kann ich mir keinen Reim machen. Von den 34 Fernsehratsmitgliedern, die das ebenso sehen, gehören übrigens keineswegs alle der SPD an.

Der Mainzer Sender braucht von seinem Intendanten wie von seinem Aufsichtsgremium her eine Erneuerung. Stellt sich der Vertreter des Landes Berlin an die Spitze der Bewegung?

Das wäre vermessen. Ich gehöre dem Gremium erst sechs Monate an. Aber nach meinen ersten Erfahrungen denke ich schon, dass wir verkrustete Proporz-Strukturen, die sich überlebt haben, aufknacken müssen. Nicht nur im Sender, sondern auch im Aufsichtsgremium. Ende der 60er Jahre haben wir Jungsozialisten das ZDF als CDF, also als "Christlich-Demokratisches Fernsehen", verhöhnt. Nun bin ich beim Marsch durch die Institutionen im Fernsehrat angelangt. Und ich erlebe dort tatsächlich, dass sich eine fest gefügte Gruppe unter der Leitung eines alten CSU-Haudegens die Macht über Personalentscheidungen anmaßt. Aber mir missfällt auch das ganze System der "Freundeskreise", das mir zu betoniert und zu undurchsichtig ist. Es hat früher einmal seinen Sinn gehabt, ist aber nicht mehr zeitgemäß.

Am 18. Januar soll in Mainz wieder gewählt werden. Was passiert bis dahin?

Ich hoffe, dass eine partei-unabhängige Top-Persönlichkeit von außen mit Praxis im Medienmanagement und journalistischem Hintergrund gefunden wird. Ein Kompromisspaket nach dem alten Rechts/Links-Schema brächte das ZDF nicht voran und wäre eine Blamage für den Fernsehrat.

SFB und ORB sollen fusionieren. Die Senats- und Staatskanzleien basteln am Staatsvertrag. Die Besetzung des gemeinsamen Rundfunkrates ist eine zentrale Frage. Wird Vorsorge getroffen, dass die künftige ARD-Anstalt nicht Beute der Parteien wird?

Ich bin dafür, dass gesellschaftliche Gruppen und Parteien die öffentlich-rechtlichen Sender kontrollieren. Politik ist doch nichts Schlechtes. Und politischer Einfluss muss erlaubt sein. Sie können sicher sein: Für den künftigen berlin-brandenburgischen Sender wird ein Rundfunkrat gebildet, der die Vielfalt der Region widerspiegelt und mit unter 30 Mitgliedern, von denen etwa ein Viertel aus den Landtagsfraktionen von Berlin und Brandenburg benannt werden, viel magerer ist als der mit 77 Sitzen überfettete ZDF-Fernsehrat.

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