Medien : "Fahndungsplakat": Die Osnabrücker

Kerstin Kohlenberg,Hendrik Vöhringer

Die Idee zu einer Werbe-Kampagne der CDU gegen den "Rentenbetrug" von Kanzler Schröder entstand schon vor einigen Wochen. Und auch die Agentur stand fest, Hagenhoff und Graef aus Osnabrück, mit der die CDU seit Anfang 1999 zusammenarbeitet. Die CDU-Bundesgeschäftsstelle, an deren Spitze Generalsekretär Laurenz Meyer steht, hat mehrere Plakate zu diesem Thema in Auftrag gegeben: "Die Zielbotschaft war, den Rentenbetrug der Bundesregierung in direkte Verbindung zu Schröder zu bringen", sagte Meyer. Das umstrittene Fahndungs-Plakat mit dem Kopf des SPD-Kanzlers hat die Agentur der CDU dann vor vier Wochen vorgelegt. Die Zusammenarbeit mit der Agentur lief über die Hauptabteilung III, die sich auf der Homepage der CDU selbst als Werbeagentur der CDU beschreibt und an deren Spitze Michael Thiele steht. "Die Vorgabe von Seiten der CDU an die Agentur war klar", heißt es aus der Bundesgeschäftstelle, "wir wollten provozieren." Laurenz Meyer verteidigte die Idee: "Gerade die SPD sollte jetzt nicht zu zimperlich sein. Auf den Internet-Seiten der Jusos in Bayern ist auf virtuellen Postkarten Friedrich Merz zusammen mit Skinheads zu sehen." Die Vorschläge der Agentur wurden dann in einem kleinen Mitarbeiterstab diskutiert. Darunter waren die Parteivorsitzende Angela Merkel, Michael Thiele und Laurenz Meyer. Fraktionschef Friedrich Merz wurde auch informiert, laut Zeitungsberichten allerdings erst am Montagnachmittag. Da war schon alles entschieden. Für Dienstagabend war die Präsentation der Plakate angesetzt. "So eine Plakataktion ist eine reine Geschmacksfrage. Das kann man gar nicht im ganzen Vorstand, mit 50 Leuten, diskutieren", sagte Meyer. Dass auch Erwin Teuffel, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, und Christoph Böhr, CDU-Chef in Rheinland-Pfalz, über die Plakataktion informiert waren, bestreitet die Bundesgeschäftsstelle nicht; sie verneint allerdings, dass das Fahndungs-Plakat von Schröder für den Landtagswahlkampf in eben diesen beiden Ländern geplant war. Die Rentenreform werde Wahlkampfthema sein, aber mit anderen Motiven. Ob die CDU dann etwas vorsichtiger ist und schon fertige Motive zurücknimmt, darüber wollte die Bundesgeschäftsstelle keine Auskunft geben. Wer mehr von der Hagenhoff und Graef wissen wollte, wurde an die CDU-Pressestelle verwiesen. Dort hieß es, die Agentur sei nicht auskunftsberechtigt, hieß es dort.

1999 hatte die CDU schon einmal Probleme mit einer Werbeagentur. Die Düsseldorfer Agentur HSR&S Conquest hatte bereits den Zuschlag für die Europa-Wahlkampfkampagne erhalten. Aber wie die Zeitschrift "Werben und Verkaufen" damals berichtete, wies die CDU die Vorschläge der Agentur zurück, da sie ihr zur "forsch" gewesen waren. Die CDU entzog der Agentur daraufhin den siebenstelligen Etat und entschied sich für Hagenhoff und Graef, die seit Anfang 1999 die Mitgliederwerbung der CDU betreut. "Europa ist wie wir: nicht immer einer Meinung, aber immer ein gemeinsamer Weg", lautete der Slogan des Plakats, auf dem Angela Merkel und Wolfgang Schäuble zu sehen waren, als streitbares Pärchen, Schulter an Schulter lehnend. Für die CDU nach der Kohl-Ära sehr mutig. Grund genug für die CDU, auch weiterhin mit Hagenhoff und Graef zusammenzuarbeiten. In der Folgezeit produzierte die Agentur einen Wahlwerbespot für die Bundes-CDU und inszenierte im April letzten Jahres den Parteitag in Erfurt. Kurz vor dem Fahndungs-Plakat sorgte Hagenhoff und Graef Schlagzeilen für Aufsehen, als sie Kampagne "Mach mehr aus deinem Typ" entwickelte. Auf den Motiven ist Angela Merkel wie eine geschundene Hausfrau mit strähnigen Haaren zu sehen.

Hagenhoff und Graefe versucht jedoch nicht nur die CDU ins rechte Licht zu rücken. Auch Altendorf Formatkreissägen, der Landkreis Osnabrück, die "Neue Osnabrücker Zeitung" und die Lührmann Grundstücksmakler GmbH gehören zu ihren Kunden. Die Osnabrücker Agentur hat 19 Mitarbeiter und macht vom Corporate Design über Messekonzeption bis zur Web-Site alles. Seit 1997 hat sie 17 Auszeichnungen im Jahrbuch der Werbung bekommen.

Politische Werbung muss sich an den erhöhten Aktualitätsdruck der Politik gewöhnen. "Das Tempo, in dem Themen in der veröffentlichten Meinung an Fahrt gewinnen, und das Tempo, in dem sie wieder in den Hintergrund treten, hat deutlich zugenommen", sagte etwa der Bundesgeschäftsführer der CDU, Willi Hausmann, im Zusammenhang mit der Ökosteuer. Hagenhoff und Graef musste die Ökosteuer relativ kurzfristig bebildern und innerhalb kürzester Zeit 700 000 Aufkleber der Partei unters Volk bringen. Die Umsetzung der Kampagne war laut Hausmann eine spontane Reaktion auf die Halsstarrigkeit der Regierung gewesen.

Trotzt der großen Empörung um das Rentenbetrugs-Plakat will die CDU weiter mit Hagenhoff und Graef zusammenarbeiten.

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