Medien : Fall fürs Jugendamt

Sat-1-Film zeigt Martina Gedeck mal anders: als ausgeflippte Mutter

Markus Ehrenberg

Die allein erziehende Paula (Martina Gedeck) hat ein Problem. Sie hält es nie lange bei einem Mann aus. Immer, wenn es ihr mit einem Verehrer zu harmonisch wird, packt sie die Koffer und wechselt mit ihrem VW- Bus kurzerhand die Stadt. Dann trifft die schöne Friseuse den bodenständigen Restaurantbesitzer Max (Richy Müller), und wieder will Paula Reißaus nehmen.

Im wirklichen Leben würde jetzt das Jugendamt eingreifen und nach dem Sorgerecht fragen. Im Sat-1-Movie „Unsre Mutter ist halt anders“ packt Drehbuch-Autorin Marie Graf die Wundertüte aus und beschert 90 recht kurzweilige Minuten – nicht sonderlich ambitioniert, irgendwo hübsch hingesponnen zwischen Romantic Comedy und Rappelkiste. Was bei dieser Bavaria-Produktion sofort auffällt: Die Leute sagen, was sie denken. Ironiefreies Fernsehen durch und durch. Das ist man heute höchstens noch von Pilcher-Filmen gewohnt.

Gepilchert wird hier aber nicht. Sieht man der Geschichte manch unglaubwürdige Wendung nach, kann man sich am ungewohnten Rollenspiel der Hauptdarsteller erfreuen. Martina Gedeck mal anders, als Zerrbild einer Mutterschlampe, hüftenschwingend, in bonbonfarbenen Kleidern, Richy Müller als allzu oft abgewiesener Verehrer, dazu die beiden Teenager-Töchter – das ist oft naiv und überzeichnet, aber erfrischend gegen den Strich gebürstet. Wer sagt, dass Filme stets gesellschaftskritisch sein müssen? Und wer, dass sich zwei der absolut besten deutschen Schauspieler, die Gedeck und Richy Müller, nicht auch mal unter ihrem Niveau amüsieren dürfen? So was erdet.

In Deutschland gibt es rund zwei Millionen allein erziehende Mütter und Väter. Wenn die heute Abend alle Sat 1 gucken, wird das eine gute Quote. Mehr muss ja gar nicht sein.

„Unsre Mutter ist halt anders“, Sat 1, 20 Uhr 15

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