Medien : Fein macht klein

Diskussion um die Zukunft der Kulturzeitschriften

Hannah Pilarczyk

„Wer will hier was besser machen?“, fragte Moderatorin Bascha Mika zur Halbzeit in die Runde. Doch die schwieg, und das nicht nur freundlich. Als die Stille endgültig peinlich wurde, nuschelte Wolfgang Bergsdorf, Chefredakteur der Monatsschrift „Politische Meinung“, schließlich, dass man alles irgendwie besser machen könnte. Einen Unterschied machte das aber auch nicht mehr, denn zu diesem Zeitpunkt der Diskussion hatte sich längst ein Eindruck verfestigt: Dass die sechs älteren Männer auf dem Podium wenn auch nicht mit der Welt, so doch aber mit sich und ihrer Arbeit durchweg zufrieden sind. Das überraschte nicht nur Bascha Mika, hauptamtlich Chefredakteurin der „taz“. Schließlich war man in der Friedrich-Ebert-Stiftung zusammen gekommen, um zunächst zwar den 50. Geburtstag der Zeitschrift „Neue Gesellschaft“ (NG) zu feiern, dann aber auch die prekäre Zukunft von politischen Kulturzeitschriften wie der „NG“ zu diskutieren.

Große Namen fanden sich dazu auf dem Podium ein – darunter der „NG“-Chefredakteur Peter Glotz, „Kursbuch“-Herausgeber Tilman Spengler und „Merkur“-Herausgeber Kurt Scheel –, und große Fragen wurden an sie gestellt: Ob sich die Kulturzeitschriften angesichts drastisch gesunkener Auflagen nicht als Generationenprojekt entpuppt hätten? Ob sie nicht das sprunghaft gestiegene öffentliche Interesse an Naturwissenschaften und Geschichte verschlafen hätten? Vom agitatorisch-feurigen Glotz bis zum elegant-beleidigenden Spengler lautete die Antwort einheitlich: nein.

Denn Auflageneinbrüche von bis zu einem Drittel fanden die Herren Chefredakteure und Herausgeber nicht weiter besorgniserregend. Da gute Grafiken zu teuer und gute Autoren zu rar seien, müsste man auf publikumswirksame Themen aus den Naturwissenschaften („dieses Bio-Nano-Zeugs“, wie Scheel anmerkte) sowieso verzichten. Bei „höchstens zwei- bis dreitausend denkenden Menschen in Deutschland“ (Spengler) wünscht sich der eine oder andere Kulturzeitschriftenmacher ja vielleicht einen noch exklusiveren Leserkreis, als er ihn mit seinen drei- bis fünftausend Abonnenten ohnehin schon hat.

Auch die fehlende Resonanz in den Feuilletons der Tageszeitungen wollte man nicht beklagen. Was denn dann noch als Gradmesser für publizistischen Erfolg übrig bliebe, fragte Moderatorin Mika. „Dass es unsere Zeitschrift weiterhin gibt“, antwortete Kurt Scheel für den „Merkur“. „Und dass die Themen mich und meinen Mitherausgeber Karl Heinz Bohrer interessieren.“ Der „Merkur“ also nur ein Privatprojekt der Herausgeber? Als dazu kein Widerspruch kam, rührte sich auch das Publikum. Wie es denn sein könnte, dass in den USA nur drei Mal so viele Leute wie im deutschsprachigen Raum lebten, die Kulturzeitschriften dort aber dreißig- bis hundert Mal höhere Auflagen hätten, fragte Publizist Klaus Harpprecht. Das Podium einigte sich schließlich auf die Gründe Geschichte, höheres Anzeigenaufkommen und andersartige Zeitungslandschaft. Endlich mal keine Neiddebatte – so gesehen war diese Diskussion doch erfreulich.

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