Fernsehen : Berlin-Schulden: Anne Will folgt Friedbert Pflüger

Die Redaktion von "Anne Will" stellt die Höhe der Schulden, die der rot-rote Senat von der großen Koalition übernommen hat. Jetzt muss die Sendung ihre Autorität wiederherstellen.

Joachim Huber

Sie hat es getan. Anne Will hat die falschen Zahlen über den Schuldenstand Berlins richtig gestellt. War in ihrer Sendung vom 1. Juni noch von 60 Milliarden Euro die Rede, die der rot-rote Senat 2001 von der großen Koalition "geerbt" hätte, so korrigierte Will zum Beginn ihrer Sendung gestern diese Zahlen. "Der Schuldenstand Berlins am Tag des Regierungswechsels betrug im Jahre 2001 rund 40 Milliarden Euro", sagte Will. Dieser Schuldenstand sei erst unter der rot-roten Regierung auf rund 60 Milliarden Euro angewachsen. Die Moderatorin bedauerte die Fehlinformation. Freiwillig geschah die Korrektur nicht, sondern auf Betreiben von Friedbert Pflüger. Der CDU-Fraktionschef hatte mit Gegendarstellung und Unterlassung gedroht, sollte Anne Will nicht beidrehen.

Erst falsche, jetzt richtige Zahlen: Deutschland vorm Fernseher wurde mit der Nase darauf gestoßen, was die Regierungen seiner Hauptstadt seit der Wende am besten konnten – Schulden machen. Das Zeugnis für diese politische Kunst stammt aus der Hauptstadt selbst, von Pflüger. Ob der hauptberufliche Oppositionsführer und nebenamtliche Fernsehkritiker mit der erwirkten Klarstellung in der Wahrnehmung seiner Partei punkten wollte?

Pflüger steht jedenfalls mit seiner Kritik an "Anne Will" bei den Konservativen nicht allein. In der gestrigen Sendung kritisierte der saarländische CDU-Ministerpräsident Peter Müller die Aussagen von Oskar Lafontaine in der vergangenen Will-Ausgabe über die DDR-Vergangenheit von Kanzlerin Angela Merkel. Will lächelte leicht gequält. Wenn das Schule macht, wird wohl jede Ausgabe von "Anne Will" künftig mit einer Salve von Richtig-, Klar- und Darstellungen in eigener Sache beginnen. Autorität wiederherstellen, Frau Will!

Es gibt ein Grundrauschen über "Halb- und Unwahrheiten" in dieser Talkshow, das die ARD-Verantwortlichen nicht überhören können. Der für die Talkshow verantwortliche NDR, Will und ihre Redaktion haben mit Klarstellung und kleinem Kotau das Notwendige und das Richtige getan. Die politische Talkshow kann eine Debatte über angebliche Linkslastigkeit oder sonstige Parteilichkeit nicht gebrauchen. Wenn sich da (falsche) Eindrücke verfestigen, dann ist im Wahljahr 2009 der Beelzebub los. Joachim Huber

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