Fernsehen : Die Freiheit zu schreiben: Ein Film über den Schriftsteller Uwe Timm

Am Ende, als er auf der Siegessäule in Berlin endlich nach seinem Schreiben befragt wird, ringt Uwe Timm nach Worten. Das Porträt, das der Sender Arte über ihn zeigt, ist ein bisschen arg gewöhnlich.

Gerrit Bartels

„Nichts langweilt mich mehr“, hat Uwe Timm einmal in einer Poetikvorlesung bekundet, „als die Romane, die das Gewöhnliche gewöhnlich darstellen. Sie langweilen mich, weil sie die Wirklichkeit nur verdoppeln zur allerlangweiligsten Wirklichkeit.“ Wie Timm den Film über sich und sein Leben von Margit Knapp und Arpad Bondy findet, ist bislang nicht überliefert – doch passt sein Satz dazu ganz gut.

Dieses Filmporträt ist ein bisschen arg gewöhnlich, ein bisschen langweilig. Wer Timms autobiografische Bücher über Benno Ohnesorg („Der Freund und der Fremde“) und seine Familie („Am Beispiel meines Bruders“) kennt, erfährt nichts Neues. Geschweige denn, dass Brüche offenbart, dass tiefe Einblicke in Wesen und Charakter eines Schriftstellers gewährt werden. „Die Freiheit zu schreiben“ heißt der Film, und diese Freiheit hat der 1940 geborene Timm sich halt genommen, nach dem Studium in München, dem Abitur in Braunschweig, der Kürschnerlehre in Hamburg, seiner nicht einfachen Nachkriegskindheit in Hamburg und Coburg.

Punkt für Punkt erzählen Knapp und Bondy Timms Leben nach. Sie sind mit ihm zu den Stätten seiner Kindheit und Jugend gefahren und nach München, wo er seit dem Studium mit seiner Frau lebt, der Übersetzerin Dagmar Ploetz, mit der er vier Kinder hat. Und auch nach Rom haben ihn die Autoren begleitet. Hierhin verschlug es das Paar für zwei Jahre, nachdem es vom studentenbewegten Deutschland die Nase voll hatte. „Es begann für mich die Zeit, ganz frei als Schriftsteller zu arbeiten“, sagt Timm, „das war ein mutiger Schritt“, aber Träume zu verwirklichen, bringe auch eine große Kraft. Bei Timm fügte sich eins zum anderen, er führt ein harmonisches Familien- und glückliches Schriftstellerleben, was der Film mit idyllischen Aufnahmen und elegischer Musik unterstreicht. Am Ende, als er auf der Siegessäule in Berlin endlich nach seinem Schreiben befragt wird, ringt Timm nach Worten. Da findet er den „blinden Fleck“, um dessen Sichtbarmachung es ihm gehe, da merkt man, wie viel mehr vermutlich noch in ihm steckt und wovon man nichts erfährt. So hält man sich besser an Timms Bücher: Die sind aufregender, die sind besser erzählt als dieser Film. Gerrit Bartels

„Uwe Timm – Die Freiheit zu schreiben“, Arte, 18 Uhr 15

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