Fernsehen : Gottschalks Kampf gegen das Trash-TV

Der Samstagabend der großen TV-Shows ist wieder da: Heute ringen "Wetten, dass...!", "Deutschland sucht den Superstar“ und das Dschungelcamp-Finale um Zuschauer und Quote.

Irja Most
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Quotenrennen: Die Moderatoren des RTL- Dschungelcamp, Sonja Zietlow und Dirk Bach, treten im Kampf um die Quote gegen "Wetten,...promo

Der heutige Fernsehabend läutet eine neue Runde im Kampf zwischen dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen und Privatsender RTL, einem Unterhaltungs-Oldtimer, gegen die neue Trash-Generation ein. Die Freunde des gepflegten Pantoffel-Kinos haben die Wahl zwischen Ekel-Fernsehen, dem Show-Klassiker schlechthin und Möchtegern-Popstars.

Das ZDF-Zugpferd Gottschalk setzt zur besten Sendezeit um 20:15 Uhr im Zweiten auf die bewährte Mischung von internationalen und deutschen Top-Stars. Auf seiner "Wetten, dass...!"-Couch in Salzburg sind unter anderem mit dabei: Gérard Depardieu, der die Werbetrommel für eine neue Real-Verfilmung von Asterix und Obelix rührt sowie Sylvester Stallone, der sich mit Rambo Teil vier an einem Comeback versucht. Auch Boxer Felix Sturm, die Grande-Dame des deutschen Fernsehfilms Christiane Hörbiger, nehmen Platz. Mit dabei ist auch Stefan Raab, der sich erneut Hoffnung auf den Grimme-Preis machen darf. Für Stimmung sorgen sollen Udo Jürgens, der gerade ein neues Album aufgenommen hat und Herr Klum - auch als Sänger Seal bekannt. Ben Becker, der zuletzt mit seinem Drogen-Absturz von sich Reden machte, ist ebenso mit von der Partie wie Lothar Matthäus, den Iran gerne als Trainer verpflichten möchte.

Hinsichtlich spektakulärer Wetten will Thomas Gottschalk, trotz der Riesenpleite vor 20 Jahren, wieder eine Buntstift-Wette zum Besten geben. Kurz zur Erinnerung: In der Sendung am 03. September 1988 trickste der Redakteur des Satire-Magazins "Titanic" Bernd Fritz unter dem Pseudonym Thomas Rautenberg Gottschalk aus. Er behauptete, er könne am Geschmack die Farbe von Buntstiften erkennen. Die Wette gewann er mühelos, da er unter der Brille hervorlinsen konnte. In Salzburg will nun heute Abend ein Vater mit seiner Tochter die Buntstift-Wette erneut auflegen. Er behauptet, er könnte am Geräusch erkennen, welche Farbe seine Tochter benutzt. "Meine Allergie gegen Buntstifte hat sich inzwischen so weit gelegt, dass ich einen neuen Versuch riskieren kann", erklärte Gottschalk dazu nüchtern in der "Bild"-Zeitung. Wer wohl für die Wette Pate spielen darf?

RTL trumpft mit einem Doppelpack auf

Da Gottschalk seine "Wetten, dass...!"-Sendungen mit bekannter Zuverlässigkeit überzieht, versucht RTL die Zuschauer gleich mit einem Trash-Durchmarsch bei Laune und auf dem Sender zu halten. Ab 20:15 Uhr sucht Deutschland beim Privatsender wieder den Superstar. Nach dem Einstieg in die fünfte Staffel mit dem Casting in Köln, dürfen sich die Nachwuchs-Popstars heute Abend wieder vor der gewohnt gnadenlosen Jury um Dieter Bohlen abkanzeln lassen. Oder sich als bisher unentdecktes Talent die Gunst des jüngsten Popmusik-Gerichts erwerben. Die erste Folge wartete bereits mit den üblichen schrägen Vögeln zur Begeisterung des Publikums auf. Von einem 17-Jährigen, der vor Aufregung zusammenklappte über einen DSDS-Dauergast, der von Bohlen endgültig Casting-Verbot erhielt.

Gleich im Anschluss um 21:30 Uhr geht die Aktion "Runter mit der Menschenwürde" munter weiter: C-Promis harren ein letztes Mal im australischen Busch aus und lassen Ekel-Prüfungen über sich ergehen, um sich mit dem Titel Dschungel-Camp-König 2008 krönen zu lassen. Und um das Camp zumindest als bei den Zuschauern zurück in Erinnerung gerufener B-Promi verlassen zu können. Noch hoffen auf den fragwürdigen Titel dürfen Schlagerstar Bata Illic, Ex-Porno-Sternchen Michaela Schaffrath, und Ex-Brosis-Sänger Ross Antony. Ausgeschieden sind mittlerweile die sieben übrigen Kandidaten Julia Biedermann, Lisa Bund, wegen gesundheitlicher Unpässlichkeit, Ex-Nationaltorwart Eike Immel, Barbara Herzsprung, Björn Hergen Schimpf und zuletzt Hupfdohle Isabel Edvardsson.

Für DJ Tomekk kam das vorzeitige Aus, dank eines pikanten Videos, das ihn vor dem Einzug ins Camp im australischen Hotel zeigt, wie er den Nazi-Gruß zum Besten gibt. RTL warf ihn deswegen kurzerhand raus, Tomekk entschuldigte sich leutselig, der Skandal war perfekt und die geballte Aufmerksamkeit der Medien gewiss. Nun entscheidet sich heute Abend, wer der Dschungel-Queen 2004, Ulk-Nudel Désirée Nick, nachfolgen darf. Nick sorgte mit dem Verspeisen von Känguru-Hoden für Furore.

Quotenkrieg zur besten Sendezeit

Das ZDF, von der jüngeren Zielgruppe gerne spöttisch als Zentrum der Finsternis belächelt, schaffte mit seiner letzten "Wetten, dass...!"-Ausgabe in Graz locker 10,82 Millionen Zuschauer. Doch im Vergleich zur vorangegangenen Sendung im November 2007 musste die Mutter aller TV-Shows gut zwei Millionen einbüßen. RTL lockte mit der ersten Ausgabe von DSDS am letzten Mittwoch ganze 6,42 Millionen Trash-Begeisterte vor die Mattscheibe. Die letzte Folge des Dschungelcamps köderte 5,3 Millionen Ekel-Shows-Fans. Für Quoten-Platzhirsch "Wetten, dass...!", dem Klassiker unter den deutschen TV-Shows, dürfte es also eng werden im Wetteifer gegen die neue Generation des Trash-TVs.

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