Fernsehen : Hitler und Mussolini auf Bierkrügen

Ein Film über Hitler ohne Bilder von marschierenden Soldaten, verreckenden Zivilisten, explodierenden Granaten – kaum denkbar, aber es geht.

Eckart Lottmann

Hans von Brescius und Ullrich Kasten haben bei ihrem Film über die beiden Diktatoren Hitler und Mussolini konsequent auf diese Bilder verzichtet, sie lassen auch keine Zeitzeugen zu Wort kommen. Die Autoren, zwei über die Jahrzehnte gereifte Autoren und Redakteure, gönnen sich den Luxus, gegen Format-Vorschriften zu verstoßen. Sie liefern keine Kriegsbilder, sie informieren nicht über den militärisch-industriellen Hintergrund, solidarisieren sich nicht mit den Opfern – sie arbeiten mit filmischem Propagandamaterial.

Von Brescius und Kasten interessieren sich für die „brutale Freundschaft“ zwischen Hitler und dem italienischen „Duce“ Benito Mussolini, und sie setzen das Wissen um die Hintergründe voraus. Sie werten das überlieferte Propagandamaterial genauer aus: Da sieht man Offiziere und Politiker mit langen Gesichtern am Rand der politischen Über-Inszenierung stehen. Der Kommentar zeigt Kennerschaft und den Willen zur pointierten Formulierung. „Wie zwei Invaliden“ hätten Hitler und Mussolini ausgesehen, geben die Autoren eine Beobachtung vom April 1943 wieder. Mussolinis Arzt habe darauf geantwortet: „Wie zwei Leichen.“

So präsentiert ist es sinnvoll, das alte Filmmaterial anzusehen. In Kombination mit aktuellen Farbaufnahmen von den Schauplätzen der damaligen Geschehnisse und historischen Fotos vermitteln sich interessante Eindrücke dieser merkwürdigen Freundschaft, die Hitler als Bewunderer des längst erfolgreichen Faschistenführers begann, und die damit endete, dass Mussolini als gefügiger Gefolgsmann mit Hitler unterging. Wie das Vergangene heute noch weiterwirkt, zeigen Souvenirläden, die Bierkrüge und anderen Ramsch mit Bildern von Hitler und Mussolini verkaufen. Eckart Lottmann

„Hitler & Mussolini“, ARD, 22 Uhr 45

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