Medien : Fernsehen in der Kreativpause

Die Sender schicken ihre Unterhaltungs-Shows wieder in den Urlaub. Warum?

Birte Hedden

Das Thema Sommerpause tut nicht nur Fans der Fußball-Bundesliga weh. Wer in den nächsten Wochen nach aktueller Fernseh-Unterhaltung sucht – Fehlanzeige, vor allem im Talk-Bereich. Sommerpause, jeder kennt sie, keiner versteht sie. Was machen die Moderatoren eigentlich in den Ferien? Wirklich nur Urlaub? Eben nicht. Moderatoren arbeiten oft an mehreren Projekten. So hat sich Johannes B. Kerner mit seinem Talk bereits am 10. Juni in die Sommerpause verabschiedet – nach Günther Jauch mit „Wer wird Millionär?“ als zweiter unter den großen Unterhaltern. Doch bleibt Kerner mit seiner Moderation zum Confed-Cup fürs ZDF auf Sendung. Specials oder „Kerner“-Wiederholungen zeigt das Zweite nicht. Dafür lieber achtmal „Gottschalk & Friends“ vom 28. Juni an und, ganz aktuell, Sendungen zur geplanten Bundestagswahl am 18. September.

Den Unterhaltungs-Talkern hat die Ankündigung der Neuwahlen – anders als den Polit-Sendungen – die Sommerpause nicht verhagelt. Urlaubssperren kennt man weder bei „Beckmann“ noch bei „3 nach 9“ oder der „NDR-Talkshow“. Allein für „Menschen bei Maischberger“ achtet eine ausgedünnte Redaktion auf die politischen Entwicklungen und arbeitet den Sommer durch. Die Sommerpause wurde um zwei Wochen vorgezogen. Das verschafft Moderatorin Sandra Maischberger keine Verschnaufpause. Ist sie doch bei n-tv mit ihrem Polit-Talk „Maischberger“ bis zum 1. Juli auf Sendung. „Neuwahlen sind ein gesellschaftliches Ereignis, über das nicht nur Politiker reden wollen“, sagt Carsten Wiese, Redakteur für „Menschen bei Maischberger“. Die nächste Staffel beginnt am 30. August und nicht erst am 13. September.

Auch wenn man bei „Kerner“, „Böttinger“ oder „Zimmer frei“ jetzt schon überlegt, wen man im Herbst einlädt – Zeit für Urlaub bleibt. Gibt es doch die so genannte Sechs-Wochen-Regel: Ein ungeschriebenes Gesetz, das es Unterhaltungsformaten verbietet, sechs Wochen vor Wahlen Politiker einzuladen. Schaut man, wer am längsten wegbleibt, liegt der Wochenrückblick „Dittsche“ mit 18 Wochen vorn. „Die kreative Pause ist gewollt“, sagt Kristina Bausch vom WDR. Während bei „Kerner“ alles wie immer ist (elf Wochen ohne Sendung), pausiert Harald Schmidt kürzer, Beckmann länger als sonst. Es liegt an den Verträgen. Darin ist die Zahl der Sendungen pro Jahr festgelegt. Harald Schmidt würde wegen Fußball und anderer Ereignisse nicht oft genug im Jahr auftreten, wenn er nicht zweieinhalb Wochen früher aus dem Urlaub zurückkäme. Tradition hat Günther Jauchs Deal bei RTL. Seit fünf Jahren geht „Wer wird Millionär?“ von Ende Mai bis Anfang September in die Pause. Doch in diesem Jahr läuft einiges anders. Im Herbst will man die 500. Sendung feiern. Die muss vorbereitet werden.

Warum aber verschwinden alle gleichzeitig vom Bildschirm? Wäre es nicht die Chance, Quotenkönig zu werden, während alle anderen in die Sommersonne blinzeln? Da macht die Programmplanung der Sender nicht mit. Die entscheidet, was im Ferienprogramm gezeigt wird. Talk-Shows nicht. Ein Programm aus Best-of-Sendungen und Dokumentationen ist billiger. Denn im Sommer sitzen die Menschen lieber draußen als vor dem Fernseher, so die Begründung der Sender. Trotz Retortenprogramm sinken die Rundfunkgebühren jedoch nicht.

Während sich die Großen eine Auszeit gönnen, bekommt die zweite Garde eine Chance. So präsentiert Sonja Zietlow bei RTL die Rating-Reihe „Die 10“ auf Jauchs Sendeplatz am Freitag. Vielleicht sollte man es doch so machen wie die Italiener. Im Sommer, wenn der Ligafußball ruht, zeigen lokale Sender gerne mal Streit-Shows zum Thema Fußball. Da schreien sich ernstgesichtige Männer, assistiert von leicht bekleideten Mädchen, stundenlang an, welcher Verein nicht mehr zu retten ist, welcher Spieler wann wohin verkauft werden soll. Immer noch besser als die x-te Serien-Wiederholung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben