Medien : Fernsehen in Israel: Kein Wagner, kein "Derrick"

Charles B. Landmann

Handys, so hat man beim Konzert der Staatskapelle Berlin in Jerusalem gelernt, dürfen in Israel nach Richard Wagner-Melodien klingeln. Wenn aber Violinen, Bratschen, Celli, wenn das gesamte Berliner Orchester unter der Leitung von Daniel Barenboim mit einstimmt, ist das etwas ganz anderes. Wie hält es das israelische Fernsehen und Radio? Ist Wagner dort verboten? Stehen andere deutsche Unterhaltungsprodukte, "Derrick" zum Beispiel oder Edgar Wallace, etwa auch auf dem Index?

Im Hörfunk, auf der Musikwelle des öffentlich-rechtlichen Sendebehörde Israel Brodcasting Authority (IBA), kann man den deutschen Komponisten sehr wohl hören. Beim Fernsehen sei das nicht so einfach, sagt Juval Ganor, Sprecher der Sendebehörde IBA: Eine Konzertübertragung mit Wagner-Werken müsste angesichts der jüngsten Ereignisse zuerst im Senderat diskutiert werden. Dass dieses oberste Gremium mehrheitlich Nein sagen würde, sagt Ganor nicht, obwohl dies für jedermann, der sich mit der Materie befasst, fest steht. Doch außer Wagner darf alles, was deutsch ist, unbeschränkt gesendet werden. Theoretisch zumindest. Denn es existieren Kooperationsverträge mit öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland - wie mit Sendern in anderen Staaten auch. All zuviel ist dabei nicht herausgekommen, und deutsche Programme muss man in den israelischen Programmzeitschriften mit der Lupe suchen.

Warum kein "Derrick", kein "Tatort", kein "Der Alte", die doch als deutsche TV-Exportschlager gelten und weltweit ausgestrahlt werden? "Weil wir auch keine türkischen, schwedischen und was weiß ich Sendungen haben", stellt Ganor salopp fest. "Wir sind ganz einfach, wie praktisch alle Fernsehsender auf der Welt, nach Amerika ausgerichtet. Nicht, dass wir Serien und Sendungen aus anderen Ländern nicht wollen - es hat sich einfach so ergeben." Von einer Vorzensur gegenüber Deutschem könne keine Rede sei. Die normalen Entscheidungsgremien träfen ganz normale Entscheidungen, sagt Ganor. Und was er nicht offen nennt, sind wohl die beiden wesentlichen Entscheidungskriterien: Kosten und Quoten - wie teuer ein Beitrag ist und wie viele Zuschauer er anziehen kann.

Im kommerziellen zweiten Fernsehkanal in Israel wird auf das Kosten-Rating-Verhältnis besonders geachtet. Dort gibt es Kultur - wenn überhaupt - erst nach der Geisterstunde. Angesagt sind billiger Krach, genannt Unterhaltung, dazu Quizshows, Talksendungen, Soaps - amerikanisches Fernsehen eben. Deutsche Produktionen sind für das "Zweite" zu anspruchsvoll.

Dass deutsches Kulturgut in bestimmten Nachrichten dann doch überdurchschnittlich oft vorkommt, hat persönliche Gründe. Der jahrzehntelange Chefmoderator der Hauptnachrichtensendung "Mabat", Haim Yavin, ist deutscher Abstammung und hat vor kurzem eine seiner hervorragenden Dokumenarserien für IBA und ZDF gemeinsam produziert und auch sowohl auf Hebräisch als auch auf Deutsch getextet und gesprochen.

David Vitzthum, der zusammen mit dem legendär frankophonen Emmanuel Halperin die späte und hochangesehene "Von Heute auf Morgen" leitet und moderiert, war früher einmal Deutschland-Korrespondent gewesen und hatte als Sohne von "Jekkes" - Juden deutscher Abstammung - eine klassische gutbürgerliche Bildung erfahren: Der fast professionelle Cello-Spieler lässt keine Gelegenheit aus, Kulturbeiträge - mit deutlicher Präferenz für solche deutscher Herkunft - in seinen Sendungen auszustrahlen. Wenn schon nicht Krimiserien, dann doch klassische Musik "Made in Germany" - wenn es sich dabei nicht um Wagner handelt.

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