Fernsehfilm : Isabelle Adjani: "Heute trage ich Rock!"

Ein Sozialdrama, das sich dem Brennpunkt Schule widmet - da konnte die Adjani nicht nein sagen. Und dafür nahm sie einiges in Kauf.

Thilo Wydra
Adjani Foto: Arte
Isabelle Adjani -Foto: Arte

Eigentlich kann sie es nicht sein, diese sonst so fragile Schönheit. Jedoch, sie ist es: Isabelle Adjani, Leinwandstar aus Filmen wie etwa François Truffauts „Die Geschichte der Adèle H.“, Claude Millers „Das Auge“ oder Werner Herzogs „Nosferatu“. Kaum wiederzuerkennen ist sie in der Fernseharbeit „Heute trage ich Rock!“, mit aufgedunsenem Gesicht, verdoppeltem Körperumfang. Erst die Rolle macht klar, warum die 53-jährige Französin zugesagt hat. Sie, die sich insbesondere für die Rechte der in Frankreich lebenden Einwanderer stark macht. Der Fernsehfilm, bei dem Jean-Paul Lilienfeld für das Drehbuch als auch für die Regie verantwortlich zeichnet, ist ein Sozialdrama, das sich dem Brennpunkt Schule widmet. Da konnte die Adjani nicht nein sagen.

Hätte sie es nur getan. Denn die Geschichte um die von ihr dargestellte Lehrerin Sonia Bergerac geht aus verschiedenen Gründen einfach nicht recht auf, nicht zuletzt ist Adjanis Spiel eines des ausdruckslosen Chargierens. Sonia, die Lehrerin, ist mit ihrem Schulalltag vollkommen überfordert. Die halbstarken Jugendlichen hören nicht auf sie, der Unterricht kommt einer einzigen Farce gleich, Aggressionen und latente Gewaltbereitschaft sind spürbar. Als Sonia beschließt, an einem Tag im Rock zu erscheinen statt wie sonst im neutraleren Hosenanzug, sorgt dies für zusätzliche Unruhe. Und irgendwann sieht sie sich in einer Auseinandersetzung, bei der eine Waffe aus dem Rucksack des Schülers Mouss fällt.

„Heute trage ich Rock!“ mag gut gemeint sein, mag redlich bemüht sein in seinem Anliegen, filmisch auf den Brennpunkt Schule hinzuweisen, doch ist dies unlängst Laurent Cantet mit seinem auf den Filmfestspielen von Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichneten Dokudrama „Die Klasse“ ungleich besser und subtiler gelungen. Und so ist das lang ersehnte Comeback von Isabelle Adjani gleich eine doppelte Enttäuschung: Sie mutet an, als sei sie eine andere, und, sie hat sich einen Film ausgesucht, der in seinem Ansatz hängen bleibt.

„Heute trage ich Rock!“, Arte, 21 Uhr

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