Fernsehfilm : Zurück ins Leben

Der ZDF-Film „Durch diese Nacht“: Ein Mann kämpft gegen die Folgen einer Gehirnblutung.

Thilo WydraD
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Ende einer Freundschaft? Jan (Oliver Stokowski) und Tom (Tim Bergmann). Foto:ZDF

Wie ist das, wenn man von heute auf morgen, aus der Bahn gerissen wird? Wenn nichts mehr geht, selbst die eigene Sprache und Mobilität nicht. Das beschreibt Regisseur und Drehbuchautor Rolf Silber in seinem ZDF-Film „Durch diese Nacht“, und er beschreibt es vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen. Silber hat selbst erlebt, wie es ist, aus dem Leben gerissen zu werden. Wenn die sogenannte Normalität abhanden kommt.

So ergeht es Jan (Oliver Stokowski), der in Frankfurt zusammen mit seinem Freund Tom (Tim Bergmann) eine kleine Konzertagentur führt und mit der Fotojournalistin Karla (Katharina Böhm) zusammenlebt. Und eigentlich ist heute der Tag gekommen, an dem er Karla am Abend gestehen will, dass er mit Tina (Bernadette Heerwagen), einer Angestellten in der Agentur, ein Verhältnis hatte. Es ist auch jener Tag, an dem er Tom mitteilt, dass er längst von dessen Machenschaften weiß, von Toms Betrug an der Firma und an ihm. Doch zum Eingeständnis vor Karla kommt es nicht mehr. Erst wird Jan beim Joggen schwindelig. Dann, am Abend, als er etwas kocht, fällt ihm die Pfanne aus der Hand, schließlich bricht er vor Karla zusammen. Eine Gehirnblutung, so die Ärzte. Er muss operiert werden, und er muss zunächst durch diese Nacht kommen. Für Karla ändert sich abrupt alles: Sie muss bei Jan sein, hat aber einen Auftrag für eine Fotoreportage in New York. Sie kennst sich in den Interna von Jans und Toms Agentur nicht aus, sieht sich aber mit den vermeintlich vertrauenswürdigen Beteuerungen Toms konfrontiert, der nunmehr versucht, seine Betrügereien zu vertuschen und sich an die Stelle Jans zu setzen. Bis Jan, ganz langsam, wieder anfängt, Wort zu formulieren.

„Durch diese Nacht“ ist die Beobachtung eines Prozesses, was die Kamera von Stephan Wagner entsprechend anschaulich darzustellen versucht. Da kommt ein Mann noch mal zu sich selbst, wird gezwungen, von vorn anzufangen, Und vielleicht hat so ein Neuanfang auch sein Gutes? Rolf Silber inszeniert dies alles in Form einer Mixtur diverser Genres – vom Drama über den Krimi bis hin zur Komödie. Dabei ist es gewiss gut, nicht primär nur auf die Tränendrüse zu drücken. Dicht wird das Erzählte, wenn Karla und Jan sich begegnen, wenn es darum geht, authentisch zu sein. Wenn etwas Unverfälschtes mitschwingt, der Mut zur Schwäche erkennbar ist. Wie schmal der Grat ist zwischen Wahrhaftigkeit und Sich-etwas-Vormachen, das zeigt „Durch diese Nacht“ auf nachvollziehbare Art und Weise. Thilo Wydra

„Durch diese Nacht“, ZDF, 20 Uhr 15

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