Medien : Fernsehmuseum: Claus Theo Gärtner

Peter M. Hetzel

In der Geschichte der Kriminalliteratur gehörte der Orchideenliebhaber Nero Wolfe sicherlich zu den bemerkenswertesten Gestalten, und das nicht nur, weil er ein fauler Snob war. Der amerikanische Vielschreiber Rex Stout hatte ihm mit Archie Goodwin einen kleinen, drahtigen Assistenten zu Seite gestellt, der in über 50 Fällen die Verbrecherjagd zu erledigen hatte. Ebenfalls kein Hüne, dafür doch um so drahtiger wirkt Claus Theo Gärtner, der es als Privatdetektiv Josef Matula auf 190 Einsätze in der ZDF-Serie "Ein Fall für zwei" gebracht hat. Zwar erscheint es nicht gerade glaubhaft, wenn der 57-Jährige in seiner Lederjacke den Ganoven hinterherjagt, ohne über die alterstypischen Zipperlein zu klagen, aber als Fernsehdetektiv mit 20 Jahren Berufserfahrung steht man doch irgendwie über den Dingen.

Zudem bleibt, wie bei vielen Kunstfiguren, die private Seite des Junggesellen Matula weitestgehend im Dunkeln. Dies liegt nicht unbedingt daran, daß er sich als einsamer Kämpfer für die Gerechtigkeit sieht. Vielmehr lastet ihn sein Auftraggeber vollends aus und das auch auf zwischenmenschlicher Ebene. Pflegte Rechtsanwalt Dr. Renz (Günter Strack) noch ein väterliches Verhältnis zu seinem Laufburschen, so wandelte es sich bei Dr. Frank (Rainer Hunold) in ein kameradschaftliches Mit- und Gegeneinander, während bei Dr. Voss (Mathias Herrmann) das Verhältnis eher ungeklärt war. Klar ist nun, dass Dr. Lessing alias Paul Frielinghaus in der neuen Staffel nicht die Hauptrolle bekommen hat. Nach 60 Fernsehspielen und diversen Kinofilmen hat Claus Theo Gärtner unlängst in einem Interview behauptet, dass er sich nichts mehr zu beweisen habe. Von seinem neuen Partner verlangt der Bundesfilmpreisträger ebenso wenig, außer, "dass man ihm - und darauf kommt es ja an - einen guten Rechtsanwalt abnimmt", denn schließlich weiß der Minimalist genau, dass ihm als Privatdetektiv ein Platz im Fernsehmuseum sicher ist.

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