Medien : Fernsehmuseum: Das Traumschiff

Stephan A. Weichert

Als der große Luxusliner der deutschen Serienunterhaltung am 22. November 1981 in See stach, lag die "Titanic" schon seit knapp 70 Jahren auf dem Meeresgrund. Genau wie die Verfilmungen vom Untergang des britischen Edeldampfers brachte auch das "Traumschiff" seinen Produzenten Traumquoten ein: 18,4 Millionen Zuschauer gingen bei der Premiere auf TV-Kreuzfahrt im ZDF. Von Anfang an mitschuldig am traumatischen Erfolgskurs: Sascha Hehn in seiner Paraderolle als Steward Viktor. 15 Folgen lang hielt sich der Ladykiller auf der Reling, wurde 1992 aber wegen zu hoher Gagenforderungen von Bord gegangen.

Auf der Jungfernfahrt dabei war auch Heinz Weiss, damals allerdings noch nicht als weißuniformierter "Traumschiff"-Kapitän, sondern als Passagier. Erst 1983 wurde er zur Nummer eins an Deck befördert - und blieb es 16 Jahre lang. Heute hält Siegfried Rauch alias Kapitän Paulsen das Ruder in der Hand. Alle Wellengänge heil überstanden hat nur ein einziges Crew-Mitglied: Chefhostess Beatrice alias Heide Keller kümmert sich seit Sendestart hingebungsvoll um Reiseübelkeit und die üblichen Wehwehchen verwöhnter Kreuzfahrer.

20 Jahre "Traumschiff": Das sind 39 Herz-Schmerz-Geschichten aus 30 exotischen Urlaubsländern, von denen bislang 1,1 Milliarden Zuschauer feuchte Träume bekamen. Ob Hawaii, Mauritius, Tahiti - das überdimensionale Rettungsboot bürgerlicher Sehnsüchte hat in fast allen Welthäfen geankert. Am kommenden Dienstag legt es zum 40. Mal in Hamburg ab, diesmal mit Kurs auf San Francisco. Produziert wird auch die neueste der jeweils rund 2,3 Millionen Mark teuren Folgen von Quotenkönig Wolfgang Rademann. Und wie schaffte es die erfolgreichste deutsche Serie, sich zwei Jahrzehnte lang über Wasser zu halten? "Bei uns werden vor schöner Kulisse Märchen erzählt", verrät Rademann. Genau wie kurz vor dem Untergang der angeblich wasserdichten "Titanic". Oder?

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