Medien : Fernsehmuseum: "Lieber Onkel Bill"

Jörn Wöbse

Kinder und junge Hunde sind bei Schauspielern nicht besonders beliebt - sie sind "Scene-Stealers". Da kann sich der preisgekrönte Shakespeare-Mime einen Wolf spielen, sobald so ein süßer Range auftritt und zahnlückig lächelt, schmilzt alles dahin. Und der große Tragöde ist nur noch Luft.

Jody und Buffy waren solche "Scene-Stealers". Die verwaisten sechsjährigen Zwillinge lebten mit ihrer Teenager-Schwester Cissy bei ihrem "Lieben Onkel Bill" in Manhattan. Onkel Bill (Brian Keith), Junggeselle und freischaffender Ingenieur, verfügte neben reichlich bemessener Freizeit, die er bevorzugt mit Filmstarlets verbrachte, über ein riesiges Apartment an der Fifth Avenue und über Mr. French, den englischen Butler.

Glaubt man der Ideologie der amerikanischen Familienserien, sind Männer sowieso die besseren Mütter: "Bonanza", "Flipper", "Fury", "Alle meine Söhne" - die Amis, ein Volk von Witwern! Die allerbeste aber war der vollbärtige, beleibte, distinguierte Mr. French (Sebastian Cabot), der sich rührend um die Erziehung von Jody und Buffy kümmerte, die pubertierende Cissy im Zaum hielt und den Schwerenöter Bill immer wieder auf den Pfad der Tugend brachte. In ihrer totalen Irrealität war dies die ideale Familie.

Im wirklichen Leben war den Stars von "Lieber Onkel Bill" weniger Erfolg beschieden. Johnnie Whitaker (Jody) spielte noch einige kleine Rollen und verschwand dann in der Versenkung, Anissa Walker (Buffy) kam nicht damit zurecht, auch als Teenager noch Rattenschwänze tragen zu müssen, und starb 16-jährig an einer Überdosis.

Ungebrochen ist allerdings der Ruhm von "Mrs. Beasle", Buffys Puppe. Sie wird immer noch produziert und ist in den USA in jedem Spielzeugladen präsent. Sogar eine deutsche Rockgruppe hat sich nach ihr benannt - und das ist doch wirklich ein Stück Unsterblichkeit.

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