Medien : Fernsehmuseum: Miami Vice

Andreas Kötter

Längst hat sich Miami, die Art Déco-Fassade für US-Pensionäre, den Ruf als Mallorca für betuchte Bundesbürger eingehandelt. Schuld daran trägt nicht zuletzt das Fernsehen. Als am 9. Dezember 1986 in der ARD "Miami Vice" anlief, bedeutete das für die TV-Serienunterhaltung einen Quantensprung, handelte es sich doch um mehr als nur eine weitere Krimi-Serie. "Miami Vice" war ein Gesamtkunstwerk, bei dem auf Stil und Ambiente mindestens ebenso viel Wert gelegt wurde wie auf die Inhalte.

Geradezu revolutionär war, dass man die Serie im damals brandneuen Stil der Musikvideo-Clips konzipiert hatte. Schnelle Schnitte, rasante Kamerafahrten bestimmten den Rhythmus der Episoden, Songs aus und für die Charts begleiteten die Bilder.

Die beiden Hauptdarsteller, die Cops Sonny Crockett (Don Johnson) und Ricardo Tubbs (Philip Michael Thomas), wirkten stilbildend: nicht nur im Reagan-Amerika, sondern auch im Kohl-Deutschland. Plötzlich war es hip, zum Designer-Anzug T-Shirt zu tragen. Die Ärmel des Sakkos wurden lässig umgekrempelt, Socken zu Slippern wurden überflüssig. Zum Outfit gehörten Rolex-Uhren und sündhaft teure Autos, denn damit gingen Crockett und Tubbs auf Jagd nach Drogenhändlern und Waffenschmugglern.

Trotz dieses Stilbewusstseins der 80er Jahre hatte "Miami Vice" aber auch etwas zu sagen. Der Kritiker Martin Compart formulierte das so: "Als direkte Opposition zur Reagan-Ära ging die Serie von der Prämisse aus, dass die Grenzen zwischen legalem und illegalem Kapital, zwischen Wall Street und Medellin-Kartell fließend sind." Ohne Crockett und Tubbs hätte es "NYPD Blue" oder "Homicide" also kaum gegeben. Umso trauriger, dass die ARD durch Kürzungen und eine nicht chronologische Ausstrahlung der Episoden - Tote wurden so plötzlich wieder zum Leben erweckt - den Spaß ein wenig trübte.

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