Medien : Fernsehmuseum: Peter Alexander

Jörn Wöbse

Am Morgen danach hatte Mutter diesen Schimmer in den Augen: "Er sieht sooo gut aus, und erst die Stimme, und ..." - Seitenblick auf Vater - "wieviel Charme er hat, genau wie im Fernsehen!" ER hatte sich die Ehre gegeben: Peter der Große war in der Stadt gewesen. Der Mann, der weiß, was Frauen wünschen; ein Schmäh-Begabter aus Wien, für den Smoking geboren.

Das war in den späten 60ern oder frühen 70ern, der Phase seiner größten Triumphe. Die Zeiten waren hart, aber Peter Alexanders Welt war heil. Längst war die verhaltene Sozialkritik früherer Jahre ("Die süßesten Früchte") einer menschelnden Sozialromantik ("Die kleine Kneipe") gewichen. Wenn er seine "Spezialitäten" servierte beziehungsweise präsentierte, waren die Witze garantiert jugendfrei, alle Körper hinreichend bedeckt, und stets war mit Anneliese Rothenberger zu rechnen. Übelmeinende raunten, die clevere Hilde, Peters Frau und Managerin, übertreibe es manchmal bei ihren Deals mit dem ZDF, und auf Peters Haupt sei auch nicht mehr alles reine Natur, aber die Mehrheit wusste: Hier ist ein Mensch, der will zu dir! Und die Menschen wollten zu ihm - bis zu 77 Prozent Einschaltquote bescherte Alexander mit seinen Shows den Mainzern. Ein Rekord für die Ewigkeit!

In den letzten Wochen gab es von "Bild" allerlei Schelte für das böse, undankbare ZDF, das seinem Heilsbringer nicht einmal eine Jubiläumsshow gönnen wolle. Unfug! Peter der Große galt selbst unter seinen Freunden nie als der Allerfleißigste. Er liebt das Fischen, einen guten Tropfen, seine Sammlung alter französischer Uhren - der Mann will einfach nicht mehr arbeiten! Und warum sollte er auch? Er hat alle wichtigen Preise mehrfach eingeheimst, trägt den Ehrenring Wiens, hat eine Platte mit Dieter Bohlen produziert - und er hat meine Mutter bezaubert. Morgen wird Peter Alexander 75 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch und Petri Heil!

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