Medien : Fernsehmuseum: Raumpatrouille Orion

Stephan Alexander Weichert

Als die amerikanische und die russische Regierung Mitte der 60er Jahre noch mit ehrgeizigen Raketenprojekten erbittert um die Vorherrschaft im All kämpften, kämpften große Teile der westlichen Welt mehr um die Vorherrschaft im Bett. Daran erinnert noch heute die Dessous-Kette namens Orion, die bis heute der größte Erotikversand auf Erden ist. 35 Jahre ist sie alt. Orion hieß aber auch die erste deutsche Science-Fiction-Serie, die nicht mit terrestrischen Reizen geizte - und dieser Tage ebenfalls 35. Geburtstag feiert: Am 17. September 1966, neun Tage nach der amerikanischen Enterprise, erblickt "Raumpatrouille - die phantastischen Abenteuer des Raumschiffs Orion" das Dunkel des öffentlich-rechtlichen TV-Weltraums und geistert seit den 90er Jahren mit 300 000 Kilometern pro Sekunde durch den Hyperspace des Jahres 3000, mehr oder weniger regelmäßig in Sat 1.

Wenn die Legende Dietmar Schönherr im hautengen Space-Anzug als Macho-Commander Cliff Alistair McLane dahingleitet, alles Weibliche fixierend, was ihm vor den Phaser läuft; wenn seine orbitalen Anbagger-Versuche bei Tamara Jagelowski (Eva Pflug) untermalt werden mit sphärischen Klängen von Softporno-Composer Peter Thomas; wenn Claus Holm alias Chefingenieur Hasso Sigbjörnsen alberne frauenfeindliche Witzchen reißt und zusieht, wie McLane routiniert Hand ans Bügeleisen Typ Rowenta 70 legt und den Unterwasserstart der Orion aus der sprudelnden Badewanne simuliert; wenn also der Multikulti-Auftrag wieder einmal zum Lehrstück für Chauvinismus und anrührende Spezialeffekte gerät, dann ist die Märchenstunde der Raumpatrouille gekommen.

"Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein. Dies ist ein Märchen von übermorgen", hieß es damals vor jeder Folge von "Raumpatrouille Orion". Nach aber nur sieben Raumfahrt-Märchen wurde der Flug des Raumschiffs Orion gestoppt. Der Mythos aber blieb.

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