Medien : Fernsehmuseum

Uta-Maria Heim

Wer zwischen den 68ern und der Generation Golf geboren ist, wer geistig also keine Heimat hat, der wird diese Titelmelodie nie vergessen: Damm-da-da-damm-da-da-damm-da-da-damm-da-da-dahm-daaah! Wenn jeden Sonntagabend Punkt 18 Uhr auf der Mattscheibe die Landkarte der Ponderosa Feuer fing, waren wir dabei: Eine Gruppe von Nachbarskindern in Lederhosen mit Hirschhornknöpfen, die ausgelassen auf umgedrehten Stühlen wippte. Wir ritten auf den Pferden aus "Bonanza": auf Dunny Waggoner und Big Buck, Sport und Beauty, Ginger, Paint und Cochise. Wenn die Folge vorbei war, spielten wir mit verteilten Rollen weiter: Einer war Adam, der andere Hoss, der dritte Little Joe und der vierte Ben Cartwright. Little Joe wollte jeder spielen. Denn Little Joe war immer der Sieger.

Als die US-Westernserie "Bonanza" 1959 konzipiert worden war, steckte dahinter eine clevere Marketingidee. Die Produktion sollte von Anfang an in Farbe laufen; man wollte so die Zuschauer zum Kauf von Farbfernsehern anregen. Doch als die ungemein erfolgreiche Serie nach vierzehn Jahren abgedreht wurde, hatte sich dieser Auftrag sowieso erledigt. In den Siebzigern zogen die Farbgeräte auch bei uns ein. Wir hatten "Bonanza" natürlich noch in Schwarzweiß gesehen, und dieses Schwarzweiß-Bild prägt nachträglich das Bild der Kindheit in den Endsechzigern: Das harmonische Familienleben auf der Junggesellen-Ranch diente uns als Ideal.

Während zu Hause einiges durcheinandergeriet, weil die gesamte Gesellschaft einen Wertewandel durchmachte, der auch die Kinderzimmer erschütterte, konnte man sich auf "Bonanza" verlassen. Man wusste genau den Unterschied zwischen Gut und Böse. Und am Ende, auch das war klar, siegte das Gute. Das gab uns Kindern Halt. Das "Bonanza"-Rollenspiel wurde zur Therapie, es half uns, mit der tagtäglichen Verunsicherung umzugehen.

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