FERNSEHOlymp : Buddhistische Maschine

Dass Sportler zu Reflektionen in der Lage sind, ahnt man zumindest bei Waldi und Harry. Die Fechterin und Sinologin Britta Heidemann ist aufgeweckter als Waldi und Harry zusammen.

Gerrit Bartels

Von dem holländischen Fußballgelehrten Huub Stevens gibt es einen Satz, der fester Bestandteil des Bildungskanons der Fußballbundesliga geworden ist: Die Null muss stehen. Ohne Weiteres lässt sich dieser an Hans Magnus Enzensberger geschulte Satz auch auf die Olympia-Berichterstattung aus Peking anwenden – etwa wenn man abends in den „Bejing Express“ von Eurosport gerät oder noch später bei „Waldi und Harry“ zu Gast ist. Auch Eurosport ist bemüht um O-Töne, Interviews etc. Was man da zum Beispiel von den Schwimmern zu hören bekommt, immer wieder und immer blöder, sind Sätze wie: Das ist Wahnsinn! Unfassbar! Ich kann es noch gar nicht fassen! Wahnsinn! Und die Reporter: Fabelweltrekorde! Traumzeiten! (War da nicht mal was? Das D-Wort? Alles nur die neuen Anzüge? Das Wasser?).

Dass die Sportler, die keine Fußballer sind, zu mehr Reflektionen in der Lage sind, ahnt man dann zumindest bei Waldi und Harry. Die Fechterin und Sinologin Britta Heidemann ist aufgeweckter als Waldi und Harry zusammen. Auch der Zahnarzt und Reiter Hinrich Romeike weiß auf Waldis Fragen gute Antworten: „Wie lange haben Sie nicht geschlafen?“ – „Na, so 42 Stunden“ - „Und wie lange sind Sie jetzt auf den Beinen“ – „Na, so 42 Stunden!“.

Das sind so die Höhepunkte an einem Gold-Abend mit Waldi und Harry, wobei man von Waldi ja gar nicht viel erwartet. Aber Harry? Ist Außenreporter in den Spuren von Rudi Cerne („Aktenzeichen XY ungelöst“), lässt sich chinesische Verbotsschilder erklären oder schlägt sich in einem Restaurant den Bauch voll. Im Studio aber zeichnet ihn vor allem eins aus: maliziöses Schweigen. Eine schön als Null gekennzeichnete Null-Frage an Heidemann („Haben Sie Ihren Erfolg schon realisiert“), fünfzehn Minuten keine Frage an die Reiterequipe. Euphemistisch gesprochen betreibt Harry hier konsequentestes Sichselbstaufheben in Nullrunden. Mit Enzensberger könnte man auch sagen: Er ist die perfekte buddhistische Maschine.

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