Fernsehshow : „Das behalten wir für uns“

Cordula Stratmann über Schulnoten, Krimis und ihre neue Moderatorenrolle.

Markus Ehrenberg
Stratmann
Von der Schillerstraße zum Quiz: Cordula Stratmann. -Foto: dpa

Im Frühjahr haben Sie angekündigt, dass Sie nicht mehr an der „Schillerstraße“ mitwirken werden. Nun kehren Sie als Quizmaster auf den Bildschirm zurück. Auf Ihrer Homepage lese ich, Sie hatten dieses Jahr schon anders verplant.

Ich wollte mein Buch weiterschreiben. Ich habe ja schon 2003 eins veröffentlicht, was mir viel Spaß bereitet hat, alleine schon das Arbeiten zu Hause. Jetzt wollte ich einen Krimi schreiben. Das habe ich erst mal unterbrochen.

Brauchen Sie doch das Rampenlicht, wie in der sehr erfolgreichen „Schillerstraße“?

Nein, ich habe einfach meinen Instinkt entscheiden lassen. Der sagte: Mach’ die Show. Das ist ein schönes Angebot. Und das ist ja auch dein Beruf, dich den schönen Angeboten zu widmen.

Wissensshows liegen im Trend: Pilawas „großer Schultest“, Günther Jauch bald mit „Setzen, sechs!“. Warum ist es interessant, wenn Erwachsene nicht wissen, wie viele rechte Winkel ein Trapez hat?

Die Leute haben Spaß daran, zu Hause mitwirken zu können. Man kann sich von der Oma bis runter zum Enkel aufs Sofa setzen und mitraten, den Schlauberger geben oder erschrocken sein, was für Wissenslücken man hat.

Waren Sie selber ein Schlauberger?

Überhaupt nicht. Ich war leider ein viel abgelenktes Kind.

Wie sah das aus?

Ich habe mich gerne dem Gespräch mit dem Tischnachbarn hingegeben. Wenn die Lehrer zu mir gesagt haben, du bist ’ne Einser-Kandidatin, habe ich mich entspannt zurückgelehnt. Schon war ich mit etwas anderem beschäftigt. Wenn ich mir jetzt die Schülerfragen aus unserer Show anschaue, wundere ich mich, wie ich ans Abitur gekommen bin.

Ihre Abi-Note …

… sage ich Ihnen nicht.

Ich sag’ Ihnen meine auch.

Die behalten wir beide mal schön für uns.

Sie haben ja auch so Karriere gemacht.

Ich bin früher nicht mit so viel Ehrgeiz ausgestattet gewesen. Heute will ich die Sachen, die ich mir vornehme, gut machen. Als Kind fand ich die Note „3“ vollkommen ausreichend. Dass das „befriedigend“ heißt, habe ich ernst genommen.

Ihr Lieblingsfach?

Deutsch.

Hass-Fach?

Ich mochte nicht Erdkunde, ich mochte nicht Biologie, nicht Mathe, ach, es gibt so vieles, was ich nicht mochte.

Viele wollen nichts mehr von ihrer Schule wissen, mögen auch keine Klassentreffen.

Bald haben wir ein erstes Jahrgangstreffen, 25 Jahre danach. Ich bin sehr gespannt drauf. Da gehe ich hin, unbedingt. Ich muss sehen, wie die Damen sich entwickelt haben, wie die ausschauen.

Das wird eine Cordula-Stratmann-Show.

Sicher nicht. Wie kommen Sie darauf?

Die „Schillerstraße“ war eindeutig Ihre Show. Das könnte bei Klassentreffen oder auch beim neuen Quiz auch so sein.

Ich weiß selber noch nicht, wie ich die Rolle der Moderatorin ausfüllen werde. Und ich bin durchaus in der Lage, mich zurückzunehmen. Ich bin gar nicht eine, die immer vorne am Bühnenrand schreien muss. Das merkt man, glaube ich, auch meiner Komik an.

Vor sechs, sieben Jahren kannte Sie kein Mensch. Sie waren Mitte 30, Familientherapeutin. Dann erste Bühnenprogramme mit der Kunstfigur „Annemie Hülchrath“…

…Auftritte im Dritten bei „Zimmer frei“….

…nun wechseln Sie von der Stand-Up-Comedy ins Moderatorenfach – in einem Fernsehjahr, das nicht gerade von erfolgreichen Neuformaten geprägt ist. Da können Sie auch scheitern.

Da ist keiner vor gefeit. Ich muss als Quizmaster jedenfalls üben, ganz neu mit einem Knopf im Ohr zu leben, weil es in so einem Format eine Verbindung zur Regie gibt, im Gegensatz zur „Schillerstraße“. In meiner bisherigen Arbeit habe ich noch nie mit einem Korsett zu tun gehabt. Aber wie gesagt: Das ist ein schönes Angebot. Und was meine Fernsehkarriere betrifft: Es muss ja nicht nur Quizshow sein. Für 2008 ist eine Serie mit mir im Gespräch.

Fernsehen mache Kinder dumm, heißt es. Was sagen Sie Ihrem Sohn Emil eigentlich, wenn er in ein paar Jahren „Das weiß doch jedes Kind!“ anschauen will?

(lacht) Grundsätzlich geht für mich privat Buch vor Fernsehen. Aber gegen einen ausgesuchten Fernsehkonsum ist nichts einzuwenden. Hmmm, dann sage ich: Okay, das darfst du gucken.

Das Gespräch führte Markus Ehrenberg

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