Film- und Fernsehbranche in der Region : Vollbeschäftigung in Serie

Am Film- und Fernsehstandort Berlin-Brandenburg werden vor allem in den Sommermonaten händeringend Fachkräfte gesucht. Das hat auch mit der finanziellen Förderung der Branche zu tun.

So viel Berlin war nie in der Fiktion. Besonders in „Babylon Berlin“ wird nicht gekleckert, sondern geklotzt.
So viel Berlin war nie in der Fiktion. Besonders in „Babylon Berlin“ wird nicht gekleckert, sondern geklotzt.Foto: Sky/ARD

Bei Sky wird schon kräftig für „Babylon Berlin“, das große gemeinsame Serienprojekt des Pay-TV-Senders und der öffentlich-rechtlichen ARD, geworben. Die 16 Folgen der beiden Staffeln nach Volker Kutschers Kriminalromanen um Kriminalkommissar Gereon Rath und seine Freundin Charlotte Ritter sollen alles bis dahin Gewesene in den Schatten stellen – der Trailer zu der im Oktober auf Sky und im nächsten Jahr im Ersten startenden Serie von Regisseur Tom Tykwer aus der Zeit der verrückten Zwanziger Jahre sieht tatsächlich fantastisch aus. Berlin ist nicht nur Teil des Seriennamens, viele wichtige Szenen entstanden in der Stadt, in Babelsberg bekam die Berliner Straße eine neue Kulisse. Dass nicht in anderen Städten gedreht wurde, hat nicht zuletzt mit öffentlicher Förderung zu tun, für die in dieser Region das Medienboard Berlin-Brandenburg zuständig ist.

Berlin ist die Serien- und Filmstadt Deutschlands, wenn nicht Europas. Hier entstand Amazons erste deutsche Streamingserie „You are wanted“ von und mit Matthias Schweighöfer, hier folgt auf „Deutschland 83“ der Mehrteiler „Deutschland 86“. Von der Dramaserie „4 Blocks“ wird im Herbst die zweite Staffel in Neukölln gedreht. Auch international findet Berlin Beachtung, Stichwort fünfte „Homeland“-Staffel oder „Berlin, I love you“ mit Mickey Rourke. Zuletzt gab es einen harten Wettbewerb zwischen den Produzenten Oliver Berben und Nico Hofmann, wer das KaDeWe am besten in Szene setzen kann. Die Ufa gewann, jetzt muss ein Sender gefunden werden.

Für Harald Martenstein macht es "Wuff"

Eines verbindet dabei TV-Serien und Kino-Filme: Die finanzielle Unterstützung durch Fördereinrichtungen wie das Medienboard ist ein zentraler Faktor bei der Entscheidung, welche Stoffe an welchem Ort umgesetzt werden. „Deutschland 86“ wird zum Beispiel mit einer Summe von 800 000 Euro gefördert, eine halbe Million Euro schießt das Medienboard zu der Endzeitserie „Acht Tage“ zu, in der es um die letzten Tage der Welt, wie wir sie kennen, geht. Gefördert wird freilich auch weiterhin der Filmsektor: Mit einer Million Euro wird die tierische Komödie „Wuff“ von Kultregisseur Detlef Buck unterstützt. Gedreht wird ab September auf dem Tempelhofer Feld, am Lokdepot Schöneberg und in Kreuzkölln, Tagesspiegel-Kolumnist Harald Martenstein spielt in der Komödie über Vierbeiner sowie ihre Herrchen und Frauchen ebenfalls eine Rolle. Bei so vielen Erfolgen stellt sich freilich die Frage: wie lange hält der serielle und filmische Berlin-Hype an? Was kommt nach all diesen Großprojekten?

Kirsten Niehuus, Geschäftsführerin Filmförderung im Medienboard Berlin-Brandenburg sieht keine Notwendigkeit, sich über die Zukunft Sorgen zu machen. Filme, Fernsehproduktionen und Serien seien so vielfältig und reichten von historischen Stoffen wie in „Babylon Berlin“ über Gegenwartsthemen wie in „4 Blocks“ bis zu Zukunfts- und Science-Fiction-Stoffen wie in „Acht Tage“, sagte sie. Ein wichtiger Auftraggeber sei weiterhin das Fernsehen, aber auch Amazon und Netflix ließen hier produzieren. „Wir sind in der Lage, solche Serien alleine zu stemmen“, sagte Niehuus bei der Vorstellung des Jahresberichts der Fördereinrichtung am Dienstag. Die Trennung zwischen Berlin und Brandenburg gebe es zudem nur aus der Innensicht, „von außen ist das eins“. Aber natürlich habe die Branche auch Wünsche, die man in Wahlkampfzeiten ruhig äußern sollte. Die Film- und Bewegtbildwirtschaft benötige ein ganzheitliches Förderkonzept auf Bundesebene, denn zwischen High-End-Fernsehen und großen Kinofilmen gebe es keinen Unterschied, wie vor allem die Verfilmung der Kutscher-Romane zeigen werde.

Die Amazon-Serie „You are wanted“ mit Matthias Schweighöfer hat gezeigt, dass die Region Berlin-Brandenburg in der Lage ist, solche Serien allein zu stemmen.
Die Amazon-Serie „You are wanted“ mit Matthias Schweighöfer hat gezeigt, dass die Region Berlin-Brandenburg in der Lage ist,...Foto: Amazon

Das Geld für die regionale Förderung durch das Medienboard stammt von den beiden Bundesländern. Im vergangenen Jahr war der Topf 32 Millionen Euro groß, acht Millionen stammten aus Brandenburg. Björn Böhning, Chef der Senatskanzlei Berlin und Aufsichtsratsvorsitzender des Medienboards, kündigte an, dass Berlin den Etat für die kommenden beiden Jahre um jeweils 1,2 Millionen Euro erhöhen wird. Damit soll vor allem die Produktion serieller Formate, die Digitalwirtschaft und die Kinolandschaft noch stärker gefördert werden.

Insgesamt arbeiten in der Bewegtbildbranche dem Medienindex Berlin-Brandenburg zufolge 70 000 Beschäftigte in knapp 12 000 Unternehmen, die einen Gesamtumsatz von 7,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr erwirtschaftet haben. Mit 5000 Drehtagen – davon 2024 von Produktionen, die Medienboard-Mittel erhielten – wurde zudem ein neuer Rekord aufgestellt. „Speziell in den Sommermonaten herrscht in der Branche Vollbeschäftigung, da suchen die Produktionsfirmen händeringend Fachkräfte“, sagte Böhning und forderte, dass man an der Offenheit festhalten müsse, weil Fachkräfte aus aller Welt benötigt würden. Und dies nicht nur für Kino, TV und Streaming, sondern auch für die immer wichtiger werdende Digitalwirtschaft unter anderem mit der Games-Industrie.

Wie wichtig die Fördergelder sind – die eingesetzten 32 Millionen führten dazu, dass in der Region 150 Millionen Euro ausgegeben wurden – ist freilich nicht nur in Berlin bekannt. Böhning blickt mit Sorge auf den Ausbau der Förderung – unter anderem mit Steuergeldern – vor allem in einigen osteuropäischen Ländern. Das drohe zum Standortnachteil für die Region zu werden. Ein Beispiel ist die ARD-Serie „Charité“. Sie spielt in Berlin, wurde aber in Prag gedreht. Berlin und Brandenburg müssten darum an einer Verbesserung der Förderbedingungen arbeiten.

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