Fluchtpunkt Lampedusa : Auf Leben und Tod im Mittelmeer

Eine ARD-Reportage folgt der gefahrvollen Route der afrikanischen Flüchtlinge nach Europa.

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Dawit aus Eritrea hat überlebt. Foto: SWR
Dawit aus Eritrea hat überlebt.Foto: SWR

„Es ist eine Schande“, sagte Papst Franziskus und sprach damit aus, was viele Menschen dachten. Am 3. Oktober 2013 kenterte vor der italienischen Insel Lampedusa ein Schiff mit 540 Flüchtlingen. 380 von ihnen starben, obwohl viel mehr hätten gerettet werden können. Nach einem Motorschaden hatte der Kapitän eine Decke als Notzeichen entzünden lassen. Das Boot geriet in Brand, es kam zur Panik und zum Unglück. Die Küstenwache griff nicht ein. Private Boote aus Lampedusa kamen zu Hilfe. Die ARD-Autorinnen Natalie Amiri und Ellen Trapp haben sich für den Film „Tod vor Lampedusa – Europas Sündenfall“ auf die gefahrvolle Route der Flüchtlinge aus Afrika begeben.

Im Mittelpunkt des Films stehen zwei Männer aus Eritrea. Dawit und Bimnet. Dawit hat die Flucht überlebt, er wohnt jetzt in Wiesbaden. Seine Odyssee dauerte zwei Jahre, er wurde von Beduinen entführt, im Sudan eingesperrt und geschlagen. Er hat die Strapazen der Wüste überstanden. Die Flüchtlinge wissen um die Gefahren, wenn sie die Reise auf Leben und Tod antreten. „Sie fliehen nicht aus finanziellen Gründen, sondern weil sie in Europa auf Frieden und Freiheit hoffen“, heißt es in dem Film. Sein Freund Bimnet hat es nicht geschafft. Er gehört zu den Flüchtlingen, die vor Lampedusa im Mittelmeer ertranken, wenige Kilometer vor Europas Südgrenze.

Lampedusa wurde zum Wendepunkt in der Flüchtlingspolitik. Italien hat danach das Rettungsprogramm Mare Nostrum gestartet, um das Sterben auf dem Meer zu beenden. Seither wurden 100 000 Flüchtlinge gerettet, doch trotz der Rettungsaktion verloren weitere 2000 Menschen bei der Flucht ihr Leben. Mare Nostrum ist ein kostspieliges Programm, rund zehn Millionen Euro monatlich kostet es. Bleibt die Unterstützung durch andere EU-Länder dauerhaft aus, wird Mare Nostrum eingestellt.

Die Reise von Eritrea nach Libyen war auch für die Autorinnen mit Gefahren verbunden. Natalie Amiri und ihr aus Eritrea stammender Kameramann gaben sich als Verlobte aus und gelangten so an ein Touristenvisum. Nach außen wirkt das Leben auf den Straßen von Eritreas Hauptstadt Asmara trubelig aber friedlich. Doch das Land ist eine Militärdiktatur mit einem omnipräsenten Geheimdienst. Um ihre Gesprächspartner nicht zu gefährden, verzichtete Amiri auf politisch brisante Fragen. Bevor die ARD-Reporterinnen aufbrachen, mussten sie sich in einem Bundeswehr-Seminar auf die Gefahren eines solchen Einsatzes vorbereiten. Dies kam Amiri und ihrem Begleiter zugute, nachdem sie verhaftet wurden. „Immer bei meiner Geschichte bleiben, daran habe ich mich gehalten und so kamen wir wieder frei“, erzählt sie. In Libyen spitzte sich die Situation für ihre Kollegin Ellen Trapp ebenfalls zu. Sie besaß zwar eine Drehgenehmigung, doch was hilft ein solches Papier in einer so unklaren politischen Situation mit entführten Abgeordneten, Schießereien auf der Straße und der Ausrufung des Ausnahmezustandes?

Den Kommentar zum Film hat Schauspielerin Ulrike Folkerts gesprochen. Sie ärgert sich, wie deutsche Politiker die Angst vor den Flüchtlingen schüren, mit der Folge, dass den Menschen der legale Weg zum Asyl danach nicht mehr offensteht. Benno Fürmann, der Dawit im Film seine Stimme gab, fordert ebenfalls ein Umdenken. Er erinnert daran, dass nach dem Zweiten Weltkrieg Millionen Deutsche auf der Flucht waren. Kurt Sagatz

„Tod vor Lampedusa – Europas Sündenfall“, ARD, Montag, 22 Uhr 45

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