Fox News : Die Zerstörer

Ein polarisiertes Medienumfeld macht Barack Obama immer mehr zu schaffen.

Sebastian Moll[New York]
Beck
Mag keine Talibanführer. US-Moderator Glenn Beck wittert aber auch bei seinem Präsidenten nichts Gutes. -Foto: laif

Glenn Beck ist auf den ersten Blick ganz der Typ des freundlichen Durchschnittsamerikaners. Er hat einen adretten Kurzhaarschnitt, ist ordentlich gekleidet und hat ein nettes Lächeln auf seinem Chorknabengesicht. Man würde ihm den Hausschlüssel überlassen, um die Pflanzen zu gießen. Wenn der 45-Jahre alte Fernsehmoderator auf Sendung geht, verwandelt er sich jedoch in einen wahnsinnig gewordenen Fanatiker. Der Talibanführer Mullah Mir Mohammed, der kürzlich in Afghanistan gefangen genommen wurde, müsse auf der Stelle standrechtlich erschossen werden, hetzte Beck vergangene Woche. Der Schneesturm über Washington sei ein Indiz dafür, dass die Klimaerwärmung eine anti-amerikanische Erfindung der Liberalen sei. Zu einem Clip, in dem Obama sein Konjunkturpaket verteidigt, fing Beck an, wie ein Hund in die Kameras zu jaulen. Am Ende der Sendung kommt Beck immer auf denselben Punkt: dass Obama und seine Leute die USA zerstören wollen und wahlweise eine stalinistische oder faschistische, in jedem Fall eine Diktatur errichten.

Das alles wäre nicht weiter bedenklich, wenn Glenn Beck eine Randfigur in der amerikanischen Medienlandschaft wäre. Doch Beck ist der erfolgreichste Fernsehmoderator des Landes. Seine Einschaltquoten im vergangenen Jahr sind denen der Konkurrenz zur Vorabendzeit um Meilen enteilt. Seit er Anfang 2008 auf Sendung ging, haben sich seine Zuschauerzahlen verdreifacht, während die sämtlicher Mitbewerber konstant geblieben oder abgesunken sind. Die Einschaltquoten von Beck spiegeln die beunruhigend wachsende Macht der „Tea Party“-Bewegung in den USA wider, jener verunsicherten christlich-konservativen Gruppierung, die sich auf einen „paranoiden Populismus“ zurückgezogen hat, wie der „New York Times“-Kolumnist Frank Rich es ausdrückte. Beck ist Gesicht und Stimme dieser Bewegung, der losen Verbindung ultra-konservativer Amerikaner, denen die Republikaner zu angepasst sind und für die Obama ein Extremist ist, der Amerika in seinen Grundfesten zerstören will. Beim ersten Tea-Party-Konvent Anfang Februar in Memphis war zwar Sarah Palin die Hauptrednerin. Eine überwiegende Mehrheit der Kongressteilnehmer sagte aber, dass sie Beck am liebsten als ihren politischen Anführer hätten.

Der Kabelsender Fox hat sich das Tea-Party-Phänomen zunutze gemacht. Becks Sendung ist der Auftakt eines abendlichen Anti-Obama-Schimpfmarathons. Die nachfolgenden Moderatoren Bill O’Reilly und Sean Hannity setzen bis um zehn Uhr die Hetze nahtlos fort. Darüber hinaus hat Fox zwei mutmaßliche konservative Präsidentschaftskandidaten als Moderatoren für wöchentliche Shows engagiert: Sarah Palin und Mike Huckabee. Fox bemüht sich schon lange nicht mehr, neutral und objektiv zu sein. Mit Objektivität lässt sich im US-amerikanischen Fernsehen kein Geschäft machen. Der andere Kabelnachrichten-Sender CNN, der in den letzten Monaten versuchte, sich als letzte Oase des neutralen Journalismus zu positionieren, leidet unter massivem Zuschauerschwund. Alleine MSNBC, ein Arm des Netzwerks NBC, das sich mit seinen Moderatoren Rachel Maddow und Keith Olbermann als linkes Gegengewicht zu Fox positioniert, kann mit seinen Quoten noch halbwegs mithalten.

Die höchsten Einschaltquoten haben zwar noch die Nachrichtensendungen der Netzwerke CBS, NBC und ABC, die traditionellen Free-TV-Stationen, die hier einen ähnlichen Stellenwert haben wie in Deutschland die öffentlich-rechtlichen Anstalten. Im Gegensatz zu den Kabelsendern bringen die Netzwerke jedoch nur eine halbe Stunde Nachrichten pro Abend. Die öffentliche Debatte bestimmen nicht zuletzt deshalb eindeutig MSNBC, CNN und vor allem Fox, die den ganzen Abend mit Politshows auf Sendung sind: „Sie definieren, worüber am nächsten Tag in Washington gesprochen wird“, schreibt Matt Bai in der „New York Times“.

Barack Obama tut sich schwer damit, sich in diesem Medienumfeld zu bewegen. Im vergangenen Jahr hatte die Regierung Fox kurzerhand den Status als Nachrichtenorganisation abgesprochen und den Sender zum politischen Feind erklärt. Kurze Zeit später gab Obama Fox aber doch wieder Interviews. In dieser Woche tritt Michelle Obama auf Fox auf, um ihr Programm zur Bekämpfung der Übergewichtigkeit bei Kindern vorzustellen. Die Obamas kommen an den TV-Netzwerken nicht vorbei. Das politische Ziel des Präsidenten, zwischen den Parteien und politischen Gruppierungen des Landes zumindest ein Mindestmaß an Verständigung zu erzielen und somit die Lähmung der Regierung in Washington zu lösen, lässt sich ohne sie nicht verwirklichen. Mit ihnen aber auch nicht.

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