Medien : Frau am richtigen Fleck

Die Volksschauspielerin Erni Singerl ist gestorben

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Der ganz große Ruhm kam spät für Erni Singerl, aber zu spät kam er für die Schauspielerin nicht. Weil sie nicht nur mit der Haushälterin Irmgard die Wohnung vom „Monaco Franze (Helmut Fischer) „rein moralisch“ sauber halten konnte, sondern sich als Mama vom Klatschreporter Baby Schimmerlos in Helmut Dietls „Kir Royal“ vernachlässigt fühlen durfte: Haushälterin und Mutter, das sind schon zwei der Paraderollen, mit der sich das Prädikat „Volksschauspielerin“ erwerben lässt. Dann hat sie mit der „Mutter des Nordens“, mit Heidi Kabel, in der Fernsehserie „Heidi und Erni“ reüssiert. Und der „Komödienstadel“ wollte ohne die Singerl nur ungern auf Sendung gehen.

Bevor Erni Singerl ins bundesdeutsche Fernsehen kam, war sie schon richtig wer, in Bayern, in München. Für den Bayerischen Rundfunk, ihre „Zweite Heimat“, machte sie Hörfunk und Fernsehen. Den für eine bayerische Volksschauspielerin geradezu idealen Namen Erni Singerl dachte sich die gebürtige Schwabingerin nicht aus, der fiel ihr durch die erste Ehe mit dem Bundesbahnangestellten Singerl zu. Davor trat sie als „Kramer Resi“ auf, weil ihr Entdecker, der legendäre „Platz“Direktor und Münchner Volkssänger Weiß Ferdl es der am 29. August 1921 geborenen Ernestine Kremmel so befohlen hatte. Der Name „Erni Singerl“ überlebte auch die zweite Ehe mit Schorsch Schropp, wie auch anders, „die Singerl“ war längst eine Marke geworden.

Erni Singerl konnte wirklich singen, quirlig war ihre Schauspielerei, besonders geliebt haben muss sie die Szenen im Fernsehen und auf der Bühne, wenn sie, die Zierliche, mit aufgerissenen Augen und viel Unschuld in der Stimme Frechheiten loslassen konnte. Selbstbewusst war sie zudem und frei von falscher Rührseligkeit, auch sich selbst gegenüber: „Man darf vor allem kein Mitleid mit sich selber haben“, sagte sie, als ihr zweiter Mann gestorben war. Der erste, der Singerl, war im Krieg gefallen. „Volksschauspielerin“ war für sie ein Adelsprädikat: „Ich hab mir nie eingebildet, dass in mir Deutschlands beste Ophelia verkannt worden ist.“ Am vergangenen Samstag ist Erni Singerl gestorben, am Montag ist sie in München begraben worden. jbh

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