Medien : Frau Lattenkracher

Das ZDF sucht eine Moderatorin für das „Sportstudio“ – noch ohne Erfolg

Joachim Huber

ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender hat es dem deutschen Fernsehvolk versprochen: „Wir wollen einen Lattenkracher.“ Es geht um eine Moderatorin ,um eine Frau für das „Sportstudio“; darum geht es im ZDF schon länger. Brender sieht sich im Zeitplan: „Bis Weihnachten haben wir sie gefunden, Anfang des nächsten Jahres wird die neue Kollegin das ,Sportstudio‘ moderieren.“ Die Suche sei schwierig, schwieriger sei sie als die Suche nach Moderatorinnen für Politik oder Nachrichten. Brender sagt, „die Entscheidung in diesem männergeprägten Umfeld muss stimmen. Die Entscheidung muss so gut sein, dass die Frau nicht gleich wieder hinausgemobbt wird – von den Kollegen, vom Publikum, von den Journalisten.“

Über die Schwere der Aufgabe macht sich Brender keine Illusionen. Aus dem Sender heißt es, es seien schon verschiedene Kandidatinnen getestet worden – ohne Erfolg. Manch einer hatte auch an Maybrit Illner gedacht: Die „Berlin Mitte“-Matadorin hat den Einstieg ins Fernsehen einst als Sportjournalistin gefunden. Natürlich übernimmt Illner diese Aufgabe nicht, zugleich zeigt allein die Spekulation, wie mühsam sich das Finden der Fachkraft gestaltet.

Brender selbst nennt keinen Namen für die Besetzung, betont aber: „Ich suche überall und bewege mich dabei in konzentrischen Kreisen auf die Person zu.“ Die Moderatorin könne aus dem ZDF kommen, sie müsse es aber nicht. An deren Kompetenz dürfe nicht gezweifelt werden, „sie darf sich nicht an die Moderation heranrobben müssen“, sagt Brender. Natürlich sei der Fußballsport die Hauptqualifikation, trotzdem müsse das gesamte Sportwissen fundiert sein. Die neue ZDF-Mitarbeiterin soll, wie die übrigen Sport-Moderatoren auch, über das „Sportstudio“ hinaus für den Sender und verschiedene Sportsendungen arbeiten – Fußball-WM 2006 inklusive.

Bisher wird das „Sportstudio“ von vier Männern präsentiert: Michael Steinbrecher, Wolf-Dieter Poschmann, Rudi Cerne und Johannes B. Kerner. Zwei werden sich verabschieden müssen, sobald die Moderatorin eintrifft. Brender bestätigt die Formel „Eine kommt, zwei gehen“. Diese drei Moderatoren „sollen die Sendung prägen“, der Zuschauer soll ständig wiederkehrende Gesichter mit dem „Sportstudio“ verbinden. Wer aus der aktuellen „Viererbande“ gehen muss, behält Brender für sich. Die Augen im ZDF richten sich auf Poschmann und Cerne.

Immerhin, eine Sorge hat Nikolaus Brender nicht: Dass sich eine Hatz wiederholen könnte, wie sie Carmen Thomas, der ersten Moderatorin im „Sportstudio“, widerfahren ist. Die Journalistin sprach 1974 von „Schalke 05“, ein Versprecher, der eine ZDF-Karriere knickte. Brender: „Männer und Frauen treiben Sport, Männer und Frauen schauen Sport im Fernsehen.“ Außerdem hätten sich Frauen im Sportfernsehen durchgesetzt. Der ZDF-Chefredakteur erinnerte an Monica Lierhaus, Moderatorin der ARD-„Sportschau“, oder an Kristin Otto, die die „Sportreportage“ im Zweiten präsentiert.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben