Medien : Freiheit gegen Tabak

Doku zu Häftlinge-Deals im geteilten Deutschland

Juliane Schröter

„Auf dem Weg wurde sogar ein Imbiss ausgeklappt, ein Campingtisch wurde hingestellt, und es gab Brötchen. Aber wir waren alle nur fertig.“ Auf dem Weg – damit meint Mechthild Günther den Weg in die Freiheit, auf dem sie gemeinsam mit anderen politischen Häftlingen aus der DDR war. Etwa 33 000 politische Gefangene fanden so den Weg in den Westen. Sie wurden von der Bundesrepublik Deutschland aus DDR-Gefängnissen freigekauft. Die BRD lieferte für jeden Freigelassenen Devisen, Obst, Kaffee, Tabak, Stahl oder Erdöl – im Wert von 40 000, später rund 100 000 Mark, ein Richtwert, der oft überschritten wurde. Im „Preis“ war offenbar eine gute Bewirtung der Freigekauften inbegriffen – ein makabres Detail im „Menschenhandel“, der sich zwischen den deutschen Staaten abspielte.

Jürgen Asts zweiteilige ARD-Dokumentation „Die gekaufte Freiheit“ widmet sich diesem heiklen Aspekt der deutsch-deutschen Beziehungen. Anfang 1963 erhielt das Bundesministerium für Gesamtdeutsche Fragen das Angebot, Gefangene freizukaufen. Eine Falle? Unter strenger Geheimhaltung ging die Regierung Adenauer auf das Geschäft ein. Die ersten acht Gefangenen fuhren im Sommer 1963 nichtsahnend mit der Bahn nach West-Berlin – gegen einen Briefumschlag mit 340 000 Mark in bar. Damit war der Testlauf geglückt, so dass die Freikaufaktionen unter den folgenden fünf Bundesregierungen bis 1989 regelrecht institutionalisiert werden konnten.

Jürgen Ast hat viele Beteiligte vor die Kamera geholt: den Ostberliner Anwalt Wolfgang Vogel, den damaligen Minister für Gesamtdeutsche Fragen Rainer Barzel (CDU) oder Ludwig Rehlinger, Staatssekretär in diesem Ministerium, sowie viele der Freigekauften selbst. Die Dokumentation zeichnet chronologisch die Ereignisse nach. Der erste Teil reicht bis 1972, der zweite bis 1989. Daraus ergibt sich eine detailreiche Rekonstruktion des Geschehens. Aber leider wenig mehr. Ist der Dokumentation das Thema zu problematisch, als dass dazu eine These gewagt würde? Und die eigentlich Betroffenen, die ehemaligen Häftlinge selbst, kommen nur selten mit mehr als den erwartbaren Eindrücken zu Wort. Zum Beispiel, wenn sie vom Westkaffee und den frischen Brötchen auf dem Weg in den Westen erzählen.

„Die gekaufte Freiheit“, ARD,

21 Uhr 50. Zweiter Teil: Montag, 6. September, 21 Uhr 45.

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