Führungswechsel : Nimm mich mit, Kapitän!

Bernd Buchholz rückt an die Spitze von Gruner+Jahr.

Bernd Buchholz
Bernd Buchholz. Neuer Chef bei Gruner+Jahr -Foto: dpa

Bernd Buchholz ist neuer Vorstandsvorsitzender bei Europas größtem Zeitschriftenverlag Gruner+Jahr ("Stern"). Das hat der Aufsichtsrat des Unternehmens am Dienstag in Hamburg beschlossen. Der 47-jährige Buchholz folgt Bernd Kundrun, 51, der sein Amt wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Strategie von G+J mit sofortiger Wirkung niedergelegt hat. Wann Buchholz Mitglied im Vorstand des G+J-Mehrheitseigners Bertelsmann (74,9 Prozent) wird, entscheiden die Gremien zum späteren Zeitpunkt. "Bernd Buchholz ist mit den Herausforderungen des Zeitschriftengeschäfts bestens vertraut und hervorragend geeignet, die Position von Gruner+Jahr als führender Zeitschriftenverlag in Europa weiter auszubauen", sagte Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski. Er würdigte Kundruns Verdienste, der in acht Jahren an der Spitze wertvolle Beiträge zur Entwicklung des Verlages geleistet habe.

Völlig überraschend hatte sich Kun drun am Dienstag vor Heiligabend aus dem Bertelsmann-Vorstand zurückgezogen und so seine Ablösung an der Spitze von G+J beschleunigt. Ostrowski und die Verlegerfamilie Jahr, die 25,1 Prozent an G+J hält, hatten es wohl als Affront empfunden, dass Kun drun Gespräche über einen Wechsel an die Vorstandsspitze von Pro Sieben Sat1 führte, während er bei G+J radikale Sparmaßnahmen mit Stellenstreichungen und Einstellungen von Magazinen wie der "Park Avenue" verkündete. Diese Maßnahmen wird Buchholz als Vorstandschef umsetzen müssen. Eine seiner ersten Amtshandlungen dürfte feststehen: den mehr als 110 Mitarbeitern von "Impulse", "Capital" und "Börse Online" die Kündigung auszusprechen. Eigentlich hätten sie diese im Dezember erhalten sollen. Vermutlich wollte G+J nicht noch mehr negatives Medienecho provozieren, nachdem Kun drun im November verkündete hatte, aus Kostengründen die Standorte der G+J-Wirtschaftsmagazine in Köln und München aufzugeben und die drei Titel ab März unter einem Dach mit der "Financial Times Deutschland" in Hamburg zu produzieren. Die gekündigten Mitarbeiter können sich auf die alten "neuen" Stellen bewerben, eine Jobgarantie gibt es nicht. Insgesamt sollen etwa 60 Stellen eingespart werden.

Buchholz , studierter Jurist, von 1992 bis 1996 FDP-Abgeordneter in Schleswig-Holstein, war 1996 zum Verlagshaus geholt worden. Nach Stationen bei der "Hamburger Morgenpost" und "Stern" übernahm Buchholz 2004 den Posten des G+J-Zeitschriftenvorstands. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Die Bilanz des selbstbewusst auftretenden Managers ist durchwachsen: "Park Avenue", die ambitionierteste Neugründung unter seiner Regie, wurde Ende 2008 eingestellt. Bis auf das Nischenmagazin "Dogs", das auf einer Mitarbeiteridee beruht, gelten die ü brigen Buchholz-Magazine wie "Healthy Living" nicht als ökonomische Himmelsstürmer. Für Verärgerung bei Mitarbeitern sorgte Buchholz auf dem VDZ-Zeitschriftenkongress im November mit einem Satz: "Wenn Sie als Kapitän auf der Brücke stehen und eine Riesenwelle aufs Schiff zukommen sehen, dann müssen sie den Leuten auf dem Sonnendeck sagen, dass sie ihre Liegestühle und Drinks beiseite stellen müssen." Wenig später waren die radikalen Sparmaßnahmen verkündet worden. meh/sop

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