Medien : Für 40 Millionen Dollar mehr

Am Ende entscheiden Anwaltskosten, dass Murdoch den Dow-Jones-Verlag für fünf Milliarden Dollar kaufen kann. Der Expansionshunger des Medienmoguls ist damit aber noch lange nicht gestillt.

Matthias B. Krause[New York]
Wall Street Journal
Objekt der Begierde: Das "Wall Street Journal" ist das publizistische Flagschiff des Dow-Jones-Konzerns. -Foto: Reuters

Am Ende waren die Verlockungen des Geldes größer als das Verantwortungsgefühl aus mehr als 100 Jahren Besitztum an einer der besten amerikanischen Zeitungen. Kurz nach Mitternacht gaben Vertreter der beiden US-Medienkonzerne Dow Jones und News Corporation am Mittwoch in New York bekannt: Rupert Murdoch darf den Finanzverlag Dow Jones, der das „Wall Street Journal“ (WSJ) herausgibt, für fünf Milliarden US-Dollar erwerben. Damit sind die monatelangen Verhandlungen zwischen dem australischen Medienmogul und der Bancroft-Familie, den Nachfahren des früheren Dow-Jones-Inhabers Clarence Barron, beendet. Sie besaßen bislang 64 Prozent der Stimmrechte am Konzern.

Ein Teil der Familie hatte sich gegen den Verkauf gewehrt. Die einen, weil sie wie zahlreiche Redaktionsmitglieder fürchteten, dass sich Murdoch stark in redaktionelle Entscheidungen einmischen könnte. Die anderen, weil sie schlicht mehr Geld wollten. Eine Deadline an diesem Montag ließen sie deshalb verstreichen, ohne dass eine Entscheidung fiel. Ein Teil der Familie versuchte derweil vergeblich, einen Gegenangebot zu Murdoch auf die Beine zu stellen, der 60 Dollar pro Aktie ausgeben will. Das sind 67 Prozent mehr, als die Wertpapiere kosteten, bevor sein Angebot bekannt wurde.

Murdoch machte zwar deutlich, dass er sein Angebot nicht erhöhen werde, fand dann aber einen Weg, der Familie entgegenzukommen: Er will ihre Anwaltskosten in Höhe von etwa 40 Millionen Dollar übernehmen. Und er stimmte der Einrichtung eines Gremiums zu, das über die Besetzung hochrangiger Positionen beim „WSJ“ entscheiden darf und über die journalistische Unabhängigkeit wachen soll.

Ob das ausreicht, bezweifeln Branchenkenner. Der deutsche Verleger Dieter von Holtzbrinck hatte das Führungsgremium des Konzerns verlassen, um gegen die Übernahme durch Murdoch zu protestieren. Der ehemalige Dow-Jones-Direktor Jim Ottaway, der sieben Prozent des Aktienpaketes besitzt, sagte: „Es ist schlecht für das Journal und für den amerikanischen Journalismus, dass die Bancroft-Familie Murdochs großzügiger Offerte nicht widerstand.“

Allerdings waren es auch unternehmerische Fehlentscheidungen und bisweilen die Tatenlosigkeit des Clans, die das „WSJ“ noch stärker unter der Krise im amerikanischen Zeitungsgeschäft leiden ließen als die Konkurrenz. Obwohl auf Konsolidierungskurs, war der Anzeigenumsatz der Printausgabe im ersten Quartal 2007 um 1,8 Prozent gesunken, im zweiten Quartal um 6,8 Prozent. Diese schlechten Zahlen und eine ungewisse Zukunftsperspektive hatten das Traditionsblatt für die jahrelangen Werbeversuche Murdochs erst anfällig gemacht. Der Verleger gilt als aggressiver Geschäftsmann, der notfalls auch mit Dumping-Preisen der Konkurrenz zu Leibe rückt. In diesem Fall dürfen sich vor allem die „New York Times“ und die „Financial Times“ auf einen schlagartig verschärften Wettbewerb gefasst machen. Murdochs News Corp setzt weltweit pro Jahr 70 Milliarden Dollar um und umfasst mehr als 100 Tageszeitungen, zahlreiche Satelliten-TV-Stationen, den Fox-Kabelkanal in den USA sowie Online-Auftritte wie die Webseite „Myspace“. Sie ist damit der drittgrößte Medienkonzern der Welt hinter Time Warner und Disney.

Nach dem Dow-Jones-Deal will Murdoch weiter expandieren: Seine Satellitenkanäle sollen die Zeitung in Europa und Asien stärker verbreiten. Im Oktober plant er in den USA den Start eines Wirtschaftskanals nach dem Vorbild von CNBC. Allerdings ist die Zeitung bereits an einen Vertrag mit CNBC gebunden, der für die nächsten fünf Jahre wohl auch nicht kündbar ist. Zwar sagte Murdoch während der Dow-Jones-Verhandlungen, er werde das Management und das Redaktionsteam des „WSJ“ unangetastet lassen – zumindest zunächst. Doch ließ der neue Besitzer sogleich die „WSJ“-Redakteure wissen: viele Beiträge seien ihm „einfach zu lang“.

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