Fußball im Fernsehen : "Die Bundesliga-Rechte sind mehr wert als 412 Millionen Euro"

DFL-Chef Christian Seifert über Fußball-TV-Rechte, neue Player und einen Irrtum der Gebührenzahler. Die Bundesliga-Rechte ab 2013/2014 sind für ihn jedenfalls mehr wert als 412 Millionen Euro.

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Christian Seifert ist Vorsitzender der Geschäftsführung Deutsche Fußball-Liga. Die DFL schreibt die Medienrechte der Fußball-Bundesliga aus. Das Gespräch führte Markus Ehrenberg.
Christian Seifert ist Vorsitzender der Geschäftsführung Deutsche Fußball-Liga. Die DFL schreibt die Medienrechte der...Foto: DFL

Herr Seifert, der DFB-Pokal wird mit einem neuen Vertrag bald nur in der ARD zu sehen sein, es gibt weniger Geld für die Vereine, rund zehn Millionen Euro. Erwarten die DFL für die Bundesliga-Rechte nun mehr als 412 Millionen Euro jährlich?

Die Bundesliga-Rechte werden keinen Sprung nach oben machen, nur weil der DFB-Pokal weniger Geld erlöst. Die Differenz macht weniger als drei Prozent dessen aus, was die Bundesliga hierzulande medial einbringt. Wenn Sie infolge des DFB-Pokals überhaupt einen Bietereffekt ausmachen wollen, wäre das der, dass die ARD theoretisch argumentieren könnte, jetzt weniger Geld für die Bundesliga übrig zu haben.

Alle fragen sich, wo und wie der Fußball-Fan ab 2013 im Free-TV Bundesliga schaut. Nun steht die DFL vor einer grundsätzlichen Einigung mit dem Kartellamt über Ausschreibungsmodalitäten zu den TV-Rechten. Was bedeutet das konkret?

Dass wir bei der Ausschreibung aller Voraussicht nach ein Szenario „Neue Medien“ anbieten können, wie wir es seit längerem angekündigt haben, auch in einem Ausschreibungskonzept, das dem Kartellamt vorgelegt wurde. Da gibt es zwei konkurrierende Szenarien im Bereich der Highlight-Berichte, wovon das eine im Wesentlichen der bisherigen Verwertung entspricht, mit einer klassischen „Sportschau“, das andere einer frei empfangbaren Zusammenfassung der Highlights der Samstagsspiele über Web-TV und mobile Endgeräte am frühen Abend.

Die Internet-„Sportschau“.

Es gibt noch einen letzten Markttest des Kartellamts, der höchstwahrscheinlich aber nichts an der grundsätzlichen Möglichkeit einer solchen Internetberichterstattung ändern wird.

Wer soll denn so eine Web-„Sportschau“ bringen: Yahoo, Google/Youtube, ESPN?

Wir müssen nicht groß bitten, wenn eines der wertvollsten Sportrechte der Welt auf den Markt kommt, mit einem attraktiven Paketzuschnitt und der von uns gewählten Technologieabgrenzung. In der vergangenen Ausschreibung hatten sich 20 Unternehmen als Bieter registriert. Diesmal werden es nicht weniger werden. Wir bluffen nicht.

Für Fans ist eine Internet-„Sportschau“ der Untergang des Abendlandes.

Die Diskussion darüber findet stark verkürzt statt. Die Frage ist nicht: Gibt es eine Zusammenfassung in den neuen Medien? Sondern: Kommt ein Szenario zum Tragen, das auch eine solche vorsieht? So ein Format ist nicht nur für Internet-Player interessant, sondern auch für klassische Medienunternehmen und für die Zuschauer.

Kann bedeuten: Gerhard Delling moderiert die Internet-„Sportschau“.

Das haben Sie gesagt. Beantworten muss das die ARD. Übrigens gäbe es ja auch im Szenario mit einer Internet-Sportschau vor 20 Uhr eine Free-TV-Erstverwertung um 21 Uhr 45 in der Prime Time. Und die Zusammenfassung am Sonntag im Free TV könnte nicht erst um 21 Uhr 45 laufen, sondern schon um 19 Uhr.

Andererseits, wenn die ARD jetzt mehr Geld ausgeben würde als 100 Millionen Euro, um die klassische „Sportschau“ um 18 Uhr 30 zu halten, heißt es gleich wieder: Gebührenverschwendung!

Den Gebührenzahler kosten die „Sportschau“-Rechte der Bundesliga weniger als 20 Cent im Monat. Wir wissen aus sehr verlässlichen Marktbefragungen, dass der Gebührenzahler davon ausgeht, dass deutlich mehr aus seinen GEZ-Gebühren in die „Sportschau“-Rechte investiert wird. Insofern gehen wir davon aus, dass eine Erhöhung der Rechtekosten für die „Sportschau“ von der ganz großen Masse der Gebührenzahler mitgetragen würde.

Eine recht optimistische Annahme.

Warten wir’s ab. Die Rechte der neuen Vertragsperiode ab 2013/2014 sind jedenfalls mehr wert als die durchschnittlich 412 Millionen Euro pro Jahr, die wir für die Clubs bisher erlösen. Wir wollen die Ausschreibung in diesem Jahr ankündigen; im April 2012 wird sie beendet sein.

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