Medien : Fußball-Streit: 1:0 für Leo Kirch

Robert Ide

Der erste Treffer ist gefallen. Torschütze: Medienunternehmer Leo Kirch. Sein Gegenspieler, ARD-Intendant Fritz Pleitgen, liegt seit Dienstag im Rückstand. Doch er will weiterkämpfen bis zum Schlusspfiff. Und die Zuschauer? Sie sind gespannt, wie es weitergeht im Streit um die Fußball-Fernsehrechte. Schließlich entscheidet sich, wann sonnabends die Topspiele der Bundesliga im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sind: entweder um 20 Uhr in der "Tagesschau" oder erst ab 20 Uhr 15 in der Sat 1-Fußballshow "ran".

Was ist passiert? Das Münchner Landgericht hat einen ARD-Antrag auf einstweilige Verfügung gegen die Kirch-Gruppe abgelehnt. Die hat die Fußball-Rechte bis 2003 für drei Milliarden Mark gekauft. Das viele Geld soll wieder reinkommen durch Kirchs Bezahlsender "Premiere World", der alle Spiele ab 15 Uhr 30 live überträgt. Um mehr Abonnenten zu gewinnen, wurde "ran" ins Sat 1-Abendprogramm verlegt. Und der ARD wurde untersagt, in der "Tagesschau" drei Spitzenspiele in Ausschnitten zu zeigen. Dagegen wollte "das Erste" nun vorgehen - und verlor in erster Instanz.

Zum Thema Online-Umfrage: Gucken Sie Bundesliga zukünftig lieber auf Premiere? "Wir gehen durch alle Instanzen, als nächstes zum Oberlandesgericht", beharrt ARD-Sprecher Rüdiger Oppers. Schon vor der Entscheidung hatte Intendant Fritz Pleitgen im Tagesspiegel angekündigt, für das Recht auf Kurzberichte bis zum Bundesverfassungsgericht zu gehen. Mit zwei Samstagspielen, von denen eins bereits fünf Tage vorher ausgewählt werden muss, will sich die ARD nicht abspeisen lassen. Für das kommende Wochenende muss sie das aber. Die Begegnung zwischen Meister Bayern München und Vizemeister Schalke 04 wird in der "Tagesschau" zu sehen sein. Ein weiteres Spiel darf auch gezeigt werden, insgesamt 90 Sekunden lang. Mehr ist nicht drin.

Das Lager von Kirch fühlt sich nach dem Richterspruch bestätigt. "Wir freuen uns, sind aber weiter zu einer außergerichtlichen Einigung bereit", sagt Sprecherin Riccarda Kolb. Die Kirch-Gruppe ist seit dem vergangenen Wochenende vorsichtiger geworden, auf keinen Fall sollen die Fußballfans verärgert werden. Die erste "ran"-Sendung der Saison schalteten gerade mal 2,2 Millionen Zuschauer ein - eine herbe Niederlage beim Fernsehvolk. Bei solchen Quoten nutzen juristische Siege nicht viel.

Das Spiel geht also weiter. Nach Informationen des Tagesspiegel soll es in der übernächsten Woche ein Spitzengespräch zwischen Kirch Media und der ARD geben, als Vermittler will die Bundesliga auftreten. Michael Pfad vom Ligaverband hofft jedenfalls, "dass ein Konsens möglich ist". Alle spielen auf ein Unentschieden. Eigentlich ungewöhnlich im Fußball.

0 Kommentare

Neuester Kommentar