Neue Abenteuer : Schatzsucher und Geisterjäger

Auf der Kinoleinwand jagen Tim, Struppi und Kapitän Haddock dem "Geheimnis der Einhorn" nach. Im gleichnamigen Videospiel darf viel gehüpft und gerätselt werden – sogar mit Bewegungssteuerung. Außerdem im Test: das Retro-Abenteuer "Blackwell Deception".

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Bloß nicht bellen: Tim und Struppi pirschen sich an.
Bloß nicht bellen: Tim und Struppi pirschen sich an.Screenshot: Ubisoft

Das Geheimnis der "Einhorn"

Die Fans von Tim und Struppi beschäftigte monatelang nur eine Frage: Wie würden sich ihre Helden im Kino schlagen? Mittlerweile weiß man: Die Verfilmung der berühmten Hergé-Comics ist ein digitales Action-Dauergewitter mit bestenfalls begrenztem Charme. Parallel zum Kinostart erschien das "Geheimnis der Einhorn" auch als Spiel für Konsolen und PC. Die Frage hier: Lässt sich der Comic-Klassiker in ein interaktives Erlebnis verwandeln?

Ausgangspunkt ist – wie auch im Film – ein hölzernes Schiffsmodell. Tim merkt schnell, dass sein auf dem Flohmarkt erworbenes Souvenir ein Geheimnis birgt: Warum auch sonst wären ein äußerst unfreundlicher Zeitgenosse nebst Prügelschergen hinter dem scheinbar unbedeutenden Gegenstand her? Mit seinem treuen Hund Struppi macht sich Tim auf die Verfolgung der Schurken und stößt dabei auf noch mehr Schiffsmodelle. Bald schon befindet sich das Duo auf der Suche nach einem geheimnisvollen Piratenschatz – genau wie die Gangster, mit denen es sich fortan beharkt.

In weiten Teilen ist "Geheimnis der Einhorn" ein klassisches Jump-'n'-Run-Game: Aus einer Seitenansicht steuert der Spieler den Starreporter durch ein verschachteltes System von Plattformen. Tim hüpft, klettert, sammelt Gegenstände, prügelt sich mit Gegnern oder macht diese unschädlich, indem er beispielsweise einen Kronleuchter von der Decke fallen lässt. Das Ganze bleibt aber kinderfreundlich, die Schurken gehen mit klingelnden Glöckchen und Sternen vor den Augen k.o..

Zwischenzeitlich übernimmt der Spieler die Rolle von Struppi: Der Foxterrier nimmt die Fährte eines Flüchtenden auf oder kriecht für sein Herrchen in enge Lüftungsschächte, um Türschlüssel zu apportieren. Später schließt sich auch Kapitän Haddock dem Team an und hilft bei der Suche nach dem Piratenschatz. Einfache Rätsel, Fahrzeugpassagen und eingestreute 3D-Sequenzen sollen das Geschehen zusätzlich auflockern. Gleichwohl ist das Spiel zu abwechslungsarm, um auf Dauer zu motivieren. Dazu tragen auch die allenfalls mittelmäßige Grafik und die etwas dröge Inszenierung bei.

Wilde Verfolgungsjagd mit unfairen Methoden.
Wilde Verfolgungsjagd mit unfairen Methoden.Screenshot: Ubisoft

Attraktiver als die auf Dauer monotone Einzelspielerkampagne ist der Koop-Modus: Hier lösen zwei Spieler gemeinsam Rätsel und helfen einander in brenzligen Situationen. Davon gibt es so einige, denn Schauplatz der mehrstündigen Koop-Kampagne sind die bizarren Traumwelten des Cholerikers Haddock. Unterhaltsam ist auch der Herausforderungsmodus, in dem mehrere Spieler auf Highscore-Jagd gehen. Mit Microsofts Bewegungssteuerung Kinect kommen die actionreichen Minispiele besonders gut zur Geltung – seien es nun Faustkämpfe gegen Piraten oder ein Wettrennen im Flugzeug, bei dem man die Arme wie Flügel ausstreckt.

Fazit: "Das Geheimnis der Einhorn" kann nicht durchweg überzeugen, dafür ist die Solo-Kampagne zu eintönig und die Inszenierung zu unspektakulär. Ausgemachte Tintin-Fans dürften an dem Spiel dennoch ihre Freude haben – besonders wegen der abwechslungsreichen Mehrspielermodi.

Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der 'Einhorn'. Für PC, PS3, Xbox 360, Wii, 3DS. Preis: 40 Euro. USK-Altersbeschränkung: ab 12 Jahren.

Rosangela und Joey beraten sich.
Rosangela und Joey beraten sich.Screenshot: Wadjet Eye Games

Blackwell Deception

Rosangela Blackwell hat eine höchst ungewöhnliche Gabe: Sie kann Gespenster sehen und sogar mit ihnen reden. Als professionelle Geisteraustreiberin sorgt sie dafür, dass die Verstorbenen ihre letzte Ruhe finden und die Nachwelt nicht weiter mit ihrem Spuk behelligen. Der Knackpunkt: Rosangela muss die Toten davon überzeugen, dass sie wirklich tot sind.

Da gibt es zum Beispiel den Bankräuber, der auf der Flucht erschossen wurde, dies aber nicht wahrhaben will. Unverdrossen setzt er seine Flucht fort – Nacht für Nacht. Mit gutem Zureden ist es hier leider nicht getan: Rosangela muss handfeste Beweise präsentieren, damit der Geist endlich kapiert, dass er ein Geist ist – und verschwindet. Bei dieser kniffligen Aufgabe hilft ihr Joey, der – selbst ein Gespenst – in seiner Coolness unweigerlich an den legendären Philip Marlowe erinnert.

"Blackwell Deception" ist ein klassisches Point-and-Click-Adventure mit einer erfreulich originellen Ausgangsidee. Die Geisterjäger-Story bildet den Rahmen für eine Vielzahl kniffliger Fälle, die sich nur mit Kombinationsgeschick und guter Beobachtungsgabe lösen lassen. In ihrem Job als psychic detective geht Rosangela Hinweisen von Zeugen nach, sammelt Indizien und löst kleinere Logikrätsel. Neben einem Inventar für nützliche Gegenstände besitzt sie auch ein Smartphone ("MyPhone"), mit dem sie Zeugen anmailt und per "Oogle"-Suchmaschine Hintergründe recherchiert.

Entscheidende Bedeutung hat das Zusammenspiel mit Joey: Immer wenn Rosangela nicht weiterkommt, schlüpft der Spieler in die Rolle des durchscheinenden Helfers. Der ist als Geist zwar körperlos und kann nichts anfassen, geschweige denn herumtragen. Dafür aber kann mühelos durch verschlossene Türen gehen und leichte Gegenstände mit einem Windhauch von der Stelle bewegen. Die Rätsel und Aufgaben von "Blackwell Deception" lassen sich nur lösen, wenn der Spieler konsequent die Stärken beider Figuren nutzt. Ganz nebenbei erfährt er auch noch, was es mit der ungewöhnlichen Freundschaft von Geist und Geisterjägerin auf sich hat.

Grafisch ist "Blackwell Deception" bewusst in einem pixeligen Retro-Look gehalten, der dem Spiel einiges an Ausstrahlung verleiht. Zur Atmosphäre tragen auch der dezente Jazz-Soundtrack und die sehr guten Synchronsprecher bei. Das Spiel gibt es bislang allerdings nur auf Englisch mit englischsprachigen Untertiteln. Ein kleinerer Nachteil sind auch die – im Vergleich zu anderen Genre-Vertretern – einfachen Rätsel. Dennoch ist "Blackwell Deception" eine lohnende Anschaffung für Adventure-Fans: Das hat es vor allem seiner spannenden Story und den eindrucksvollen Charakteren zu verdanken.

Blackwell Deception für PC. Preis: 14 Euro. Die Vollversion und die kostenlose Demo-Version gibt es hier.

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