Medien : Gans oder gar nicht

ARD: „Nils Holgersson“, erstmals real verfilmt.

Das Märchen von Nils Holgersson, der in einen Wichtel verwandelt wird und auf dem Rücken einer Gans die Welt entdeckt, ist älter als das Fernsehen. Die Schriftstellerin Selma Lagerlöf hat es vor über 100 Jahren im Auftrag des schwedischen Verbands der Volksschullehrer geschrieben. Eine Bildungsreise also, die zum internationalen Kinderbuchklassiker wurde. Zwei Zeichentrickserien, aus Schweden und Japan, notiert die Filmgeschichte bisher. Sprechende Tiere, die luftige Perspektive der Vögel, verkleinerte Menschenfiguren – eine Verfilmung mit realen Schauspielern ist notwendigerweise mit hohem Aufwand verbunden.

Die ARD hat das in einer vierstündigen deutsch-schwedischen Koproduktion erstmals gemeistert. Dank Tiertrainer und Puppenspieler, Studiobauten und digitaler Tricks. „Nils Holgerssons wunderbare Reise“ mit dem 13-jährigen Berliner Justus Kammerer in der Titelrolle, mit Bastian Pastewka, der der Gans Martin seine Stimme leiht, mit zahlreichen echten Gänsen, Raben, zahmen sibirischen Füchsen – und mit Kurt Krömer als peniblem Bürokraten der Kobold-Innung – ist diese ein öffentlich-rechtliches Schmuckstück im Weihnachtsprogramm.

Die pädagogisch anspruchsvollen Abenteuer des kleinen Nils, der sich vom Rabauken mit Steinschleuder zum hilfsbereiten Jungen entwickelt, wurden sachte modernisiert. Keine hektische Schnittfolge, die dramatischen Momente werden nicht übertrieben zugespitzt und bleiben „kindgerecht“. In Ästhetik und Erzähltempo knüpft der Zweiteiler eher an Klassiker wie Pippi Langstrumpf und die Filme der tschechischen Schule an als an das Serienallerlei im Kinderfernsehen. Man fragt sich natürlich, ob das, was Erwachsene als „kindgerecht“ bezeichnen, bei Kindern nicht längst als langweilig gilt. Aber entscheidend bleibt eine fantasie- wie humorvolle Geschichte, und die hat Selma Lagerlöf allemal geliefert. tgr

„Nils Holgerssons wunderbare Reise“ARD, 1. Weihnachtstag, 16 Uhr, 2. Weihnachtstag, 16 Uhr 20.

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