Geburtstag : Fernsehstars mit Holzköpfen

Das Meer ist gebastelt aus einer Plastikfolie, die Figuren sind aus Holz und werden an Fäden gezogen - doch selbst „Special Effects“- verwöhnte Kinder schalten heute noch ein, wenn Jim Knopf und Lukas mit ihren Lokomotiven Emma und Molly durch das Lummerland der Augsburger Puppenkiste fahren. Jetzt feiert die Augsburger Puppenkiste ihren 60. Geburtstag.

Augsburger Puppenkiste Foto: ddp
Der Leiter der Augsburger Puppenkiste, Klaus Marschall, mit dem Kasperl, einer der bekanntesten Marionetten der Augsburger...Foto: ddp

 In dieser Woche feiert das Theater seinen 60. Geburtstag. 440 Vorstellungen werden hier pro Jahr gezeigt, fast alle sind ausverkauft. Im Fernsehen haben neue Produktionen der Puppenkiste dagegen vorerst keine Chance: 2001 wurde mit der Serie „Lilalu im Schepperland“ die vorerst letzte „Puppenkiste“ produziert, vom Hessischen Rundfunk, der für fast alle TV-Produktionen des Marionettentheaters verantwortlich ist.

Die Holzpuppen und ihre Geschichten ins Fernsehen zu bringen, ist teuer und aufwendig. Pro Tag schafften die Aufnahmeteams nur drei bis vier Sendeminuten: die Dekorateure mussten die Kulisse auf- und immer wieder umbauen, Licht und Ton entsprechend neu ausrichten und in jeder Szene mussten die Puppen von den Spielern bewegt werden. „Das kostet etwa so viel, wie einen Spielfilm zu drehen“, sagt Klaus Marschall, Leiter der Augsburger Puppenkiste, „und für die Sender scheint leider eher Quantität als Qualität zu zählen“. Dabei seien die Figuren der Puppenkiste hervorragend geeignet, die Fantasie von Kindern anzuregen. Während viele neue Filme bis ins letzte Detail animiert und mit „Special Effects“ ausgestattet seien, würden die Zuschauer bei der „Puppenkiste“ zum Mitdenken aufgefordert. „Im Prinzip bewegen wir ja nur ein Stück geschnitztes Holz. Die Kinder müssen sich bei uns in die Geschichte hineindenken, anstatt sich nur berieseln zu lassen“, sagt Marschall. Genau deshalb kommen vermutlich auch heute noch die Klassiker wie „Jim Knopf“ und „Urmel aus dem Eis“ bei den Kindern so gut an. Und im Zweifel haben gar nicht sie, sondern ihre Eltern eingeschaltet – zur Erinnerung an ihre eigene Kindheit. sop

0 Kommentare

Neuester Kommentar