Medien : Genosse von gestern

NAME

Die gewerkschaftseigene Union-Druckerei und Verlagsanstalt Frankfurt (UD) ist nicht einfach ein Gewinnmaximierungsbetrieb, sondern hat die Welt der Arbeitnehmer und ihrer Rechte als Programm: Themen wie Arbeitsschutz, Stress am Arbeitsplatz, Tarifentwicklungen werden als Broschüren, Bücher und CD-ROM publiziert. Und die Druckerei kann sich über Großkunden freuen: Neben diversen Gewerkschaftsperiodika druckt sie das monatliche ver.di- Gewerkschaftsblatt „publik" (2,8 Millionen Auflage).

Zurzeit dürften viele Mitarbeiter ihre eigenen Produkte sorgfältig studieren, denn der Betrieb soll trotz vielfältiger Sanierungsmaßnahmen abgewickelt werden und danach mit der Heidelberger Vereinigte Offsetdruckereien (VOD) in einer neuen Firma aufgehen. Als Grund wird ein „verschärfter Preisverfall“ im Druckmarkt genannt. Angeblich wird nach sozialverträglichen Lösungen gesucht. Die Mitarbeiter hingegen sehen sich vorgeführt. In den von der Geschäftsführung angekündigten „klassischen Instrumenten" beim Arbeitsplatzabbau sehen viele knallharte Arbeitgebermethoden, „um die Mitbestimmungsrechte zu umgehen", wie die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Sabine Hochhaus dieser Zeitung sagte. In einer Presseerklärung beklagt der Betriebsrat, dass „auch in der gewerkschaftseigenen Union- Druckerei der Fantasie in wirtschaftlich schwieriger Zeit enge kapitalistische Grenzen gesetzt sind“.

Das könnte so aussehen: Den gekündigten Mitarbeitern wird ein neuer Arbeitsplatz in einer Beschäftigungsgesellschaft angeboten. Aspekte wie Dauer der Betriebszugehörigkeit und entsprechende Abfindungen spielten dann keine (Kosten-)Rolle mehr. Brisant: Eigner der UD, die im vergangenen Jahr rund 35 Millionen Euro umsetzte, sind die Gewerkschaften ver.di, die IG Metall, die IG Bauen-Agrar-Umwelt sowie die Eisenbahnergewerkschaft transnet.

Nach den Plänen der Geschäftsführung sollen nur 200 der insgesamt 400 Mitarbeiter aus beiden Unternehmen bei der Alpha Print Medien AG (APM) neu beschäftigt werden. Bei der APM handele es sich um eine „Vorratsgesellschaft", die seit rund zweieinhalb Jahren bestehe, aber noch nicht operativ tätig wurde. Inhaber ist der Druckunternehmer Erich Thomanek, der auch geschäftsführender Gesellschafter der VOD ist. An der nicht börsennotierten AG sollen die bisherigen Eigner der UD einen Gesellschafteranteil von „25 plus 1 bis 50 minus 1 Prozent“ halten, sagte Zehetner. Als neuer Standort ist Dietzenbach im Gespräch, denn auch das Betriebsgelände in der Nähe der Frankfurter Messe soll möglichst schnell verkauft werden. Hardy Prothmann

0 Kommentare

Neuester Kommentar