Medien : Gestern Hollywood, heute Pro 7

Studenten-Oscar-Preisträger Florian Baxmeyer hat seinen ersten Spielfilm gedreht

Markus Ehrenberg

Ein Oscar-verdächtiger, deutscher Film im Privatfernsehen. Es kommt nicht allzu oft vor, dass Pro 7 ein eigenes „Movie“ damit ankündigen kann, dass es von einem jungen, deutschen Regisseur gedreht wurde, der schon mal einen Oscar gewonnen hat. Gut, das war der Studenten-Oscar, aber Oscar ist Oscar, und außerdem wurde der Regisseur auch noch für den „richtigen“ Oscar nominiert.

Diesen hat Florian Baxmeyer nicht gewonnen. Immerhin: Heute läuft „Mörderische Elite“, Baxmeyers erster langer, 90-minütiger Spielfilm, bei Pro 7. Ein Thriller aus dem Studenten- und Hacker-Milieu um eine hübsche Spezialistin für Kryptografie (Mina Tander), die sich auf das Angebot eines fiesen Stiftungsvorsitzenden einlässt. Geheimbünde, Elite-Uni, Weltverschwörung, Kapuzenmänner, Furcht einflößende Blicke – das kommt mitunter komisch-krude daher, überambitioniert. Das Einzige, was „Mörderische Elite“ mit Baxmeyers Oscar-Kurzfilm „Die rote Jacke“ gemein hat, ist einer der besten deutschen Schauspieler: Ulrich Noethen („Comedian Harmonists“).

Eher Fernsehdurchschnitt heute Abend, aber da würden viele Nachwuchsregisseure auch nicht Nein sagen. Und ohne „Die rote Jacke“ wäre Baxmeyer gar nicht gleich so weit gekommen. Dieser Film, die Geschichte über einen Flüchtlingsjungen aus Sarajewo, der durch eine Jacke aus der deutschen Altkleidersamlung eine neue Chance erhält, wurde Anfang des Jahres für den Oscar nominiert, nachdem das Diplom-Projekt im Studiengang Film der Uni Hamburg bereits 2003 den Studenten-Oscar gewonnen hatte. Es blieb bei der Nominierung. Enttäuschung darüber lässt sich Baxmeyer nicht anmerken. „Nein, nicht wirklich, die Amis haben den Film doch gemocht.“ Es gab erste Kontakte, Anrufe von Hollywood-Produzenten. Aber: „Die wollen erst mal sehen, dass du was Langes gedreht hast.“

Und das geht für Dutzende von jungen Filmemachern zurzeit, wenn überhaupt, nur im Fernsehen. Florian Baxmeyer weiß, „Mörderische Elite“ ist nicht „Der Name der Rose“. Eine jener zwanzig, dreißig deutschen TV-Produktionen im Jahr, von denen man froh sein kann, dass sie angesichts der Krise in der Filmbranche und der Chart-, Casting- und Alm-Shows noch in Auftrag gegeben werden. Gerade hat Baxmeyer in Litauen sein zweites Movie für Pro 7 abgedreht, einen Zweiteiler, „Das Blut der Templer“. Eine „Mittelalter-Story à la Highlander“, wie Baxmeyer zugibt. Action, Fantasy, Emotionen.

Der Studenten-Oscar als Türöffner also? „Naja, mein Leben hat sich nach dem Preis nicht groß verändert. Außer: Ich war ein halbes Jahr nicht zu Hause." Der gebürtige Essener hat nicht abgehoben. Abgebrochenes Soziologiestudium, der lange Weg eines Filmfans, der laut Mutter schon in seiner Jugend einen ganzen Saal zum Weinen bringen konnte. Komparserie, Praktika, Regieassistenzen an diversen Sets, drei Jahre Studium der Film-Regie in Hamburg beim gestrengen Hark Bohm. Das erdet. Die Krise in der Filmbranche macht ihn nicht verrückt. „Es gibt eben keine Sicherheiten in meinem Job, jetzt noch weniger.“

Immerhin: Es gibt Jobs. Befürchtungen, dass Pro 7 nach der Übernahme durch Haim Saban zum Abspielsender von US-Produktionen werden könnte, scheinen sich nicht zu bestätigen. Auch für 2005 sind – ebenso wie 2004 – 15 deutsche Movies im Programm, in denen sich „neue Talente“ und „junge, deutsche Fiction“ ausprobiert werden können, heißt es beim Privatsender.

Andererseits stehen die Zeichen schlecht. Die Filmförderung in Baxmeyers Wohnort Hamburg soll um die Hälfte gekürzt werden. Es gibt sicherere Berufe als Filmemacher. Also, was tun? Wieder Kurzfilme drehen? Auf die Doku-Welle springen? Der Regisseur überlegt kurz. Auf keinen Fall „nur“ Fernsehen machen. Soaps lehnt er ab. „Die einzige Sicherheit im deutschen Fernsehen, das ist sowieso der ,Tatort’.“ Mit ein paar Folgen „Großstadtrevier“ für die ARD hat Baxmeyer schon in diese Richtung gearbeitet.

Und da ist noch der Oscar. In dieser Hinsicht gehört Florian Baxmeyer schon ein bisschen zur Elite. Zumindest kann der 30-Jährige bald bei der Verleihung der Oscar-Trophäen mit entscheiden. Er zählt zu der Gruppe von Auserwählten, die der Oscar-Akademie in diesem Jahr beitreten dürfen und damit ein Stimmrecht bei der Vergabe der Filmpreise erhalten. Vielleicht wird es ja doch noch was mit dem „großen“ Oscar für einen Langfilm im Kino, Baxmeyers Wunsch. „Mein Leben hängt davon nicht ab. Man muss einfach versuchen, gute Filme zu machen, fürs Publikum.“

„Mörderische Elite“, Pro 7, 21 Uhr 15

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