Medien : Glück in der Vielfalt

-

Tom Peuckert verrät, was

Sie nicht verpassen sollten

Kulturelle Vielfalt. Auch so ein Modebegriff für Gutmenschen. Wenn sie allerdings fehlt, dann sind wir auch nicht zufrieden. Dann sehen alle Fernsehsender plötzlich wie RTL aus, und die Kunst hat nur noch lustig zu sein. Kenner dieser Kolumne wissen, dass jetzt ein Loblied auf das Kulturradio folgt. Weil es dort so bunt und kulturell vielfältig zugeht. Eben noch tief in der Vergangenheit, jetzt schon auf der Suche nach der Welt von morgen. Eben noch Berichte aus der deutschen Provinz, aber nach den Nachrichten geht es im innersten Afrika weiter. Am Nachmittag wird der Alltag aufbereitet, aber der Abend wird mit einem Essay über antike Philosophie eröffnet.

Nehmen wir ein zufälliges Datum, einen beliebigen Sender. Kommender Mittwoch, 29. Januar, Deutschlandradio Berlin (UKW 89,6 MHz). Die erste Stunde des Tages gehört der zeitgenössischen Musik. Altgediente Avantgardisten wie John Cage neben radikalem Nachwuchs (0 Uhr 05). Es folgt Telefontalk. Der gehört zu den kauzigsten Veranstaltungen im Programm. Nacht für Nacht diskutiert ein Moderator mit seinen Kunden über so aufregende Dinge wie das Dosenpfand oder die Zeitungskrise. Wer hier um halb zwei noch anruft und ins Plaudern gerät, hat tagsüber meist ein Kommunikationsproblem (1 Uhr 05). Es folgt ein Porträt des Chansoniers Sacha Distel (2 Uhr 05).

Erste Bildungsversuche im Morgengrauen: Kurz vor Fünf wird der Hörer über Zwinglis Reformation belehrt. Im Tageslauf dann bunte Mischungen aus Politik, Bildung und Entertainment. Aus Romanen wird vorgelesen, das Land Niedersachsen porträtiert, den Kleinsten in der Sendung „Kakadu“ die musikalische Klassik schmackhaft gemacht (13 Uhr 30). Von der Klassik bis zu den südafrikanischen DJ’s ist es ein großer Schritt für die Musikgeschichte, aber ein winziger für das Kulturradio. „Zurück zu Mama Afrika“ heißt eine Sendung, die uns über zeitgenössische Tanzmusik am Kap erzählt (14 Uhr 05).

Der Tag endet, wie er angefangen hat: mit zeitgenössischer Musik. Kompositionen von Helmut Lachenmann, dazu eine ausgiebige Diskussion unter Fachleuten: „Die neue Musik zwischen Verweigerung und Wohlgefallen“ (ab 20 Uhr). Ein bewegendes Thema. Schließlich haben wir alle, die wir unsere ehrliche Haut täglich auf die Medienmärkte tragen, diesen Spagat zu bewältigen. Das Kulturradio versucht es mit kultureller Vielfalt. Was hier einmal ausgiebig gelobt werden sollte.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben