Medien : Gott im Programm

Pfarrer Bräuer über den Job als Medienbeauftragter

Herr Bräuer, mit Ihnen holt sich die Evangelische Kirche ihren ersten Medienbeauftragten. Ist der Rundfunk etwa out?

Nein. Aber wenn man die neuen Medien einbezieht – Internet, Internetfernsehen und Handy-TV –, dann passt der Begriff Medienbeauftragter besser.

Was hat Kirche mit Medien zu tun?

Die Medien spiegeln die gesellschaftliche Wirklichkeit. Und in den letzten Jahren wächst die Aufmerksamkeit für die Religion: Die Gottesdienste werden voller und die Menschen suchen stärker nach Orientierung im christlichen Glauben. Wenn Sie eine Stunde lang durch eine deutsche Großstadt fahren, begegnen Ihnen mehrere Kirchtürme; wenn Sie am Abend drei Stunden fernsehen, kann es vorkommen, dass der christliche Glaube kein Thema ist.

Und das wollen Sie ändern?

Ja, dieser Entwicklung in den Medien gerecht zu werden, ist eine meiner Aufgaben. Leider sind in letzter Zeit Sendungen gekürzt oder gestrichen worden. Auch wenn es gute Ansätze gibt, etwa in Quizsendungen nach Bibelkunde zu fragen, wünschte ich mir eine stärkere Präsenz der Kirche. Zum Beispiel könnten in Serien auch eine Klinikpfarrerin oder ein Notfallseelsorger vorkommen.

Wie kann das erreicht werden?

Ich werde mit Programmverantwortlichen, Intendanten und Drehbuchautoren sprechen. Gerade bei den Privatsendern kann die Vermittlung christlicher Themen ausgebaut werden. Und wir werden unsere Arbeit fortsetzen: Die redaktionelle Begleitung von Sendungen wie den ZDF-Gottesdienst, das „Wort zum Sonntag“ oder den „Bibelclip“ auf RTL.

Was gehört noch zu Ihren Aufgaben?

Ein weiterer Schwerpunkt wird in der Medienethik liegen. Gerade Kinder und Jugendliche müssen in der sich so rasant entwickelnden Medienwelt eine besondere Medienkompetenz erwerben. Die neuen Möglichkeiten vom Internetfernsehen bis zum Handy-TV bieten große Chancen. Aber nicht in jedem Fall werden sie zum Segen.

Wann werden Grenzen überschritten?

Wenn Peinlichkeiten bewusst zum Inhalt von Sendungen gemacht werden. Beleidigungen und Fäkaliensprache als Quotenbringer sollten in keinem Sender Raum haben. So werden elementare Umgangsformen missachtet und Menschen in ihrer Würde verletzt.

Das Interview führte Lisa Wandt.

Markus Bräuer, 40, wird ab dem 1. November die Evangelische Kirche (EKD) in den Medien vertreten. Als erster EKD-Medienbeauftragter ersetzt er den bisherigen Rundfunkbeauftragten.

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