Medien : Gratisblatt? Handy?

Die „Netzeitung“ will ihre Inhalte streuen

Markus Ehrenberg

Bewegung am Berliner Medienmarkt: Die bislang ausschließlich im Internet erscheinende „Netzeitung“ soll an die BV Deutsche Zeitungsholding verkauft werden und damit auch ihr Erscheinungsbild verändern. Die Holding hat Erfahrung im Zeitungsgeschäft, ist neben Beteiligungen an diversen Internetpräsenzen wie Berlin.de und Berlinonline.de Eigentümer der „Berliner Zeitung“, des „Berliner Kurier“, der „Hamburger Morgenpost“ und des Berliner Stadtmagazins „Tip“. Insider vermuten, dass die „Netzeitung“ nach einem Verkauf an die Holding auch zur echten Zeitung wird.

Noch laufen die Verhandlungen zwischen der Zeitungsholding, hinter der der britische Investor David Montgomery steckt, und der Netzeitung-Beteiligungsgesellschaft, zu der auch die Online-Portale Netdoktor.de, Golem.de, Autogazette.de, der Radiosender Motor FM und der Vermarkter Orkla Media Sales gehören. „Wir sind intensiv dran, aber nicht durch“, sagt Peter Skulimma, Sprecher der BV Deutsche Zeitungsholding. Deutlicher wird „Netzeitung“-Geschäftsführer Christoph Weber: „Es wird darauf hinauslaufen“; in den nächsten vier Wochen wird eine Entscheidung erwartet.

Vielleicht auch für ein Gratisblatt. So etwas hatte bislang wenig Glück auf dem deutschen Markt. Gratisblattversuche wie „20 Minuten“ blieben – Versuche. Möglich und nötig erscheint die Verbreitung der „Netzeitung“ auf anderen Wegen. Unter den von der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung erfassten Angeboten liegt die „Netzeitung“ mit 590 000 Nutzern im Monat den 66. Platz. „Es ist die logische Konsequenz, dass wir die Verbreitung unserer Inhalte über andere mediale Wege vorantreiben. Im ersten Schritt visieren wir die mobilen Endgeräte an. Handys, PDAs etc. sind ein idealer Verbreitungsweg für aktuelle Nachrichtenformate. In diesem Kontext ist eine denkbare Option die, eine werbefinanzierte Printversion zu entwickeln. Die redaktionellen Ressourcen sind vorhanden. Ebenso ein potenzieller Partner, der in Richtung Gratiszeitung nachdenkt. Ob ein Markt vorhanden ist, wird derzeitig geprüft“, sagt Philip Dönhoff, Geschäftsführer der „Netzeitung“.

Eines ist sicher: Nach der skandinavischen Internetfirma Spray, der Bertelsmann-Tochter Lycos, dem Fachverlag Bertelsmann Springer mit dem inzwischen weitergewanderten Chefredakteur Michael Maier und dem norwegischen Mischkonzern Orkla wird nun der fünfte Eigentümer in sieben Jahren erwartet. Die Stimmung im Verlag sei „grundsätzlich“ gut, sagt Weber. Die Mitarbeiter der „Netzeitung“ versprechen sich nach einem halben Jahr Verkaufsdiskussion eine „klare Ausrichtung“. Die könnte sich auch auf den Radiomarkt auswirken. Die „Netzeitung“ in der Hand der BV Deutsche Zeitungsholding müsste sich von Motor FM trennen. Dort hält das Portal 50 Prozent Anteile. Die Auflage der BV-Blätter ist zu hoch, als das sich die Holding nach dem Berliner Medienrecht noch im Hörfunk engagieren dürfte. Markus Ehrenberg

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